Fitnesswahn und fettige Semmeln

Ich hab Muskelkater.

Das geht ca. soweit, dass ich mich beim Aufstehen erst auf die Seite drehen musste, um dann die Beine aus dem Bett zu werfen und den so gewonnenen Schwung nutzen konnte um mich aufzurichten.

Warum?

Weil meine Arme das eigene Gewicht meines Körpers nicht zu stemmen vermochten. Das hat jetzt (und ich höre die Kommentare praktisch schon) nichts mit meiner extremen Körperfülle zu tun, sondern liegt einzig und allein daran, dass ich der marginal vorhandenen Körperfülle zu Leibe rücken wollte. Nun ist es aber so, dass der übermäßige Genuss von alkoholhaltigen Getränken, die erhöhte Zufuhr von Kohlenhydraten und gesättigten Fetten, gekoppelt mit einer gewissen sportlichen Lethargie dazu geführt haben, dass die vergangenen 6 Monate aus einem mittelprächtigen Sportidioten leider unverkennbar einen schwabbeligen Sport-Legastheniker machen konnten.

Die guten Vorsätze des (inzwischen schon pubertierenden) neuen Jahres wurden zu Gunsten von Geselligkeit, Körperschmuck und (mal mehr mal weniger schlimmen) Krankheitsanfällen auf die lange Bank geschoben und es verwundert kaum, wenn ich sage: Das anstrengendste war der Weg ins Gym. Ohne  die tatkräftige Hilfe eines freundlichen Zeitgenossen wäre ich dort wohl auch nie wirklich hin gegangen (an dieser Stelle danke Werbespott).

Dort endlich angekommen sah ich mich zunächst einer natürlichen Barriere gegenüber gestellt, die aus einer persönlichen Abneigung gegen den Körperkult mancher Menschen und die große Ansammlung weniger angenehmer, verschwitzter Menschenmassen bestand. Dies zu überwinden glich schon einem Halbmarathon (wobei ich da kaum aus eigener Erfahrung sprechen kann). Als dies überwunden war sahen wir uns der Herausforderung entgegengestellt, mit zig nackten, teils überproportional geformter Fleischbergen einen Raum teilen zu müssen, dessen Geruch man wohlwollend als Frettchenkäfig bezeichnen könnte.

Der Vorteil an dieser Erfahrung, man wird zum einen genötigt schnellstmöglich auf die (mehrere Ebenen umfassende) „Trainingsfläche“ zu verschwinden und olfaktorisch scheint einem die schweiß-schwangere Luft dieser Fläche plötzlich bergluftrein.

Wir also an die Geräte, die nicht nur auf Grund ihrer Konstruktion eine gewisse Inquisitions-Nostalgie aufkommen lassen, sondern deren Akteure auch eher aussehen, als würden sie für den nächsten Hostel-Film gecastet, denn als ob sie sich etwas Gutes tun würden. Die Verlockung dieser Gerätschaften erschliesst sich Aussenstehenden also nicht auf den ersten Blick.

Da gewisse Dinge nun aber Männer von Memmen trennen, versuchten auch wir uns an Übungen, deren Sinn daraus besteht Metallplatten, die über Ketten und Kabelzüge an Griffen befestigt sind, durch die unterschiedlichen Dimensionen zu hieven. Wobei dadurch der Sinn per se ad absurdum geführt wird. Wenn unsere Ahnen uns sehen könnten… Wir haben Aufzüge und Lastkräne konstruiert, um unser Leben zu vereinfachen und quälen uns dann auf frustrierende Art mit genormten Stahlplatten rum.

Das eigentlich frustrierende an dieser Aktion sind aber die Maßeinheiten, die einem schnell klar machen, an welchem Ende der Nahrungskette man herum keucht. Wenn man sich an ein Gerät setzt und nach einem ersten peinlichen Versuch die Justiereinheit des Geräts von 210 auf 90 Pfund runter steckt, ist man noch guter Hoffnung, dass der letzte Benutzer Arnold Schwarzenegger gewesen sein muss und man ja gerade erst wieder anfängt sich körperlich zu formen. Wenn man das Gerät allerdings verlässt und ein 75 Kolo leichtes Jüngelchen die Einheit mit mitleidigem Lächeln wieder auf 150 Pfund hochtreibt, stellt man besser keine Fragen.

Nachdem ich diese Prozedur (zum Glück nicht allein) an verschiedenen Folterinstrumenten der verfluchten Fitnessindustrie wiederholt hatte, wurde es Zeit für die Sauna.

Dass ich hierzu nicht viel mehr schreiben kann, liegt daran, dass der radikale Wechsel von heißem Dampf und Eiswasser meine Erinnerung an diese weitere Tortur fast vollständig ausgelöscht hat.

Zu Hause wieder angekommen habe ich dann einen Apfel gegessen, man will sich das gesamte Training ja nicht durch ein doppeltes Salami-Käse-Sandwich wieder zu nichte machen. Zumindest nicht vor 23 Uhr… Ach verdammt, ich hab Hunger und wofür sonst quäle ich mich denn?

Dazu ein kaltes Bier und selbst die 2 stündige Demütigung verliert irgendwie ihren Schrecken.

Sicher ist, ich mach das wieder, irgendwie fühle ich mich gut, ausgepumpt, mit vollem Bauch und dem wohligen Nebel des zweiten Bieres ist der Vorsatz klar: In 6 Wochen sehe ich aus, wie der junge Brad Pitt und darauf hole ich mir eine dritte Flasche aus dem Kühlschrank.

Sport ist geil!

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2 Kommentare

Eingeordnet unter Allgemeines

2 Antworten zu “Fitnesswahn und fettige Semmeln

  1. werbespott

    Wenn Du dann wie Bratt Pitt aussiehst,
    dann solle ich schleunigst in den nächsten Supermarkt,
    um den original Grey George Clooney Look zu bekommen…
    😉

  2. kreativgeschwister

    ich steh nicht auf Brad Pitt…

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