Die Musikindustrie schlägt zurück – und haut sich selbst K.O.

Man stelle sich folgendes Bild vor:  Rocky steht im Ring gegen Apollo Creed. Apollo ist langsam ziemlich angeschlagen, da haut sich Rocky volle Granate selbst in die Fresse. Er taumelt, schlägt wieder zu. Das Publikum ist entsetzt, da kommt der Todesstoss, ein harter Schwinger gegen die eigene Birne.

Unvorstellbar, ja, aber genau das passiert gerade in der Musikszene.

Was ist geschehen? Wer ist Rocky, wer Apollo, worauf will er hinaus, zu viel Sonne im Büro?

Berechtigte Fragen, deren Beantwortung etwas Zeit in Anspruch nimmt.

Gestern wies man mich darauf hin, dass (trotz Datums) die Meldung, dass dank GEMA die Musikvideos auf Youtube demnächst banned sind, kein Aprilscherz sei. Wäre zwar ein Guter gewesen, aber Humor schreibt man bei der GEMA eben nicht so groß wie Gier. Daraus resultiert, dass in Zukunft kleine Bands wieder ein Portal weniger haben um an die Öffentlichkeit zu treten. Moment ruft da der geneigte Musik-Surfer, es gibt doch noch myspace und MTV mit dem Videoportal, sei mal nicht so negativ, das ist doch wieder typisch deutsch und ausserdem bla bla bla…

Schon richtig rufe ich ihm entgegen, aber ein kleines Experiment förderte die Schwächen des Systems zu Tage. Wenn man nach Bands und Künstlern sucht, die auch auf jedem Radiosender/The Dome-Event/Bravo Hits-Album zu finden sind, dann habt ihr natürlich Recht. Was aber ist mit den kleinen Bands vom Formate Silversteins, oder der Ohrbooten? Diese kennt kein Aas, also sind sie nicht auf MTV. Denn seit wann hat MTV denn den Auftrag sich um Musik zu kümmern? Man ist viel zu beschäftigt necrophile D-Prominenz mit scheintoten Ex-Models zu verkuppeln, die vorher die Drogenverseuchte Pisse von It-Girls trinken müssen, damit sie sich für den „Zukünftigen“ aus dem 16. Stock stürzen. Ganz abgesehen vom Leben der Reichen und „sch(n)ö(d)en“, welches Publikumswirksam mit Einkommenszahlen untermalt werden muss. Bei so viel gehirnerweichender Unterhaltung ist ein Musikvideo für den Zuschauer einfach zu viel auf einmal.

Die Radiosender?

Lassen wir das, also zu Myspace. Das ist zwar an sich die schönste Plattform, aber findet da mal eine Band, die ihr noch nicht kanntet. Was auf Youtube die related Videos, sind auf Myspace die Kontakte und natürlich werden wir die 964 Kontakte von Story of the Year durchklicken, bis wir eine Band aus Wyoming gefunden haben, die tolle Musik machen. Da wir nicht mehr MTV schauen, haben wir ja jetzt Zeit.

Was aber ist passiert, dass wir alle ab sofort halbe Nächte mit dem Aufbau von Myspace-Seiten verbringen müssen?

Die GEMA ist passiert und ja, das ist schon ein Weilchen her, aber die Damen und Herren dort brauchen ein Weilchen um die Zeichen der Zeit zu erkenne, dann aber mit aller Konsequenz. 0,15 € als Gebühr pro abgerufenes Video, dessen Künstler bei der GEMA gelistet ist, und das sind einige. um das zu finanzieren müsste den Werbekunden ein TKP von 120 € auferlegt werden (zum Vergleich, der TKP für spiegel online beträgt 40 – 60€).

Zu viel für den Onlinedienst, der bislang zu den Milchkühen des Googleimperiums zählte und da rote Zahlen zu toten Seiten führen, macht man das Einzige, was einem bleibt, man banned ALLE Musikvideos.

Damit trifft man diejenigen, die diese Videos als Broterwerb benötigen genauso, wie uns. Musiker von bands, die youtube bislang als gute Quelle für kostengünstige Promotion nutzen konnten sind angearscht und da sich die Musiksender bis auf die Spartenplätze, welche für die Rhiannas, Silbermons, und Dschungelcamp-Songs dieser Erde reserviert sind, keinen Platz mehr für Musikvideos hat, bedeutet das, dass so schöne Videos wie http://www.youtube.com/watch?v=fJuUkPz7sZw bald nicht mehr zu sehen sein werden.

Danke GEMA, ich freu mich schon darauf, wenn die ersten Strassenmusiker auf dem Rathausmarkt erschossen werden, weil sie ohne Genehmigung Songs für 2,50 trällern, die eure gelisteten Künstler verfasst haben, in diesem Sinne:

† 2009 Musikvideo „Gema killed the Videostar“

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4 Kommentare

Eingeordnet unter Allgemeines

4 Antworten zu “Die Musikindustrie schlägt zurück – und haut sich selbst K.O.

  1. werbespott

    Was mich in diesem Zusammenhang, nicht nur auf die Gema bezogen auf die Palme treibt ist folgendes.

    Unternehmen haben in das Internet investiert, weil sie mächtig Kohle scheffeln wollten.
    Jetzt sind sie entrüstet über die Mentalität der User, man könne ja alles umsonst haben.

    Umsätze brechen woanders weg? PENG! WIR HOLEN UNS DAS AUS DEM INTERNET ZURÜCK!
    Das das höchstwarscheinlich mit Tränen und zancken endet sei mal dahin gestellt.

    Andere Frage. Seit Einführung des Vertriebs von Musik über das Internet sind die CDs wieder deutlich günstiger geworden als früher. 10€ für eine CD sind mittlerweile (wieder) fast ein Mittelwert. Die Gema beschwert sich über Umsatzeinbußen, aber von den Künstlern habe ich bislang noch nicht gehört, das es ihnen schlechter gehe als vorher.

    Wo ist denn dann das viel, viele Geld geblieben, das die letzten Jahre On-Top dazu kam?
    hat sich da vielleicht jemand ordentlich die Tashcen voll gemacht? Und ist dieser jemand vielleicht derjeniege, der jetzt am lautesten schreit, heult und wild um sich tritt?

    G.ier E.iniger M.enschen A.llzusammengetragen

  2. werbespott

    Und wenn es auf Youtube GAR keine Musik mehr gibt,
    hätte ich hier noch ein kleines Tool um Musik KOSTENFREI im Internet zu hören:

    http://www.seeqpod.com/search/

    Hat natürlich den Nachteil, das man eigentlich schon wissen muss,
    was man hören möchte, ohne die Hilfe der „related Video“ Links.

  3. kreativgeschwister

    Es ist schon so, dass die Künstler auch weniger verdienen. Es gibt sicher 2 Seiten der Medaille. Zum Einen gibt es einige Arschlöcher, die sich Musik einfach ziehen. Ich habe ja nichts dagegen, wenn man dies zum „Reinhören“ macht Aber 1. gibt es dafür auch (noch) myspace und 2. wenn es einem gefällt hat man die CD auch verdammt nochmal zu kaufen.

    Die grundsätzliche Frage ist, sind CDs denn nicht vielleicht tatsächlich zu teuer? Ich meine, meine persönliche Schmerzgrenze ist max. 12 EUR. Bei den Bands die ich höre kosten die CDs aber leider zwischen 14 und 17 Eur. So wie ich weiß, entscheiden die Künstler selbst, in welchem Preissegment sie CDs anbieten wollen. Das CDs jetzt im Mittel bei 10 Eur liegen habe ich nicht im Gefühl.

    Geld verdienen die Künstler im Moment eigentlich nur noch bei Live-Auftritten. Also heißt es, sie dort zu uunterstützen. Oftmals kann man die CD dann dort auch günstiger erstehen. Es sei denn man ist bei Universal gesigned, die wollen nämlich nicht, dass auf Konzerten CDs verkauft werden (???WTF).

    Ich glaube zudem, dass bei Live-Übertragungen im Netz (kostenlos), wie z.B. bei http://www.ligx.de oder http://www.livedome.de, die Begehrlichkeit für ein Konzert geweckt wird. Das Live-Erlebnis kann gar nicht durch einen Internetstream kannibalisiert werden. Live-DVDs töten ja auch nicht die Konzerte, oder?

    Also, touren touren touren. Und wenn wir ehrlich sind, dann ist es doch auch genau das, was wir uns vorstellen beim Leben des Rock ’n‘ Roll. Es geht nicht um einmal ins Studio und dann zurücklehnen. Wahre Künstler wollen performen. Und dann nimmt der Hörer sich doch gern die CD als Erinnerung mit.

    Eh Basta!

  4. fabiang666

    naja, hier liegt ein missverständniss vor. die GEMA ist nicht die musikindustrie. die GEMA ist nen drecksverein der den menschen das leben schwer macht und einzig und allein nur sich reich. das ist der witz, sowas wie die GEZ halt. ich finde eh man sollte die ganze urheberrechts kacke novellieren und für die industrie das erschweren. die haben keinerlei leistung kassieren aber dasfür dicke nur weil sie „rechte“ haben. das ist per se wieder dem kapitalismus. es wird ja nix geschaffen….

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