Sommer, Sonne, Hirnverbrannt

Es ist endlich soweit, der Frühling hat Einzug in unsere Gefilde gehalten.

Man merkt das zum einen daran, dass die 500m übers Schulterblatt wieder eine halbe Stunde dauern, zum anderen an der Laune der Menschen. Denn während Studenten, Werber, Musiker und Lebenskünstler wieder den Sonnenstrahlen nachziehend, galaoschlürfend, weltverbessernd, und komplett relaxed die Inscene-Hot-Spots oder, wie man in diesem Metier gerne sagt, die „Geheimtipps“, zu 1000en bevölkern sind Rentner, Angestellte des öffentlichen Dienstes und Busfahrer unfreundlich, weil genervt, wie lange nicht.

Es ist ein hartes Los, bei diesem Wetter in Büros, Wohnzimmern oder Bussen sitzen zu müssen, das möchte ich gar nicht bestreiten, aber wer sich die verbliebenen Haare jahrelang mit FCKW zu abstrakten Kunstwerken aufgetürmt hat, mit dem BMW von Winterhude nach Eppendorf fährt, oder im Leerlauf am Bahnhof Altona steht und die Mittagspause auf dem Hämorhoiden-freundlichen Hydraulikstuhl des Busses verbringt, der darf sich nicht beschweren, dass es a) wärmer geworden ist und man b) sich nicht die Zeit nimmt, mal eben an die Sonne zu gehen.

Was soll´s, des Menschen Gekeife ist sein Himmelreich.

Ich freue mich auf diesen Sommer, der vermutlich der heißeste seit der meterologischen Aufzeichnung wird, bis 2010. Und 2010 wird richtig toll. Denn dann können wir uns auf der Schanze bei McDonalds das BigMäc Menü holen und danach bei Balzac die Kaffespezialitäten Equadors durchkosten. Denn genau das steht uns bevor. Während nämlich McDoof schon den (zugegebener Maßen nicht wirklich empfehlenswerten) Dönermann aus dem Bahnhof Sternschanze vertrieben hat, ist es mit Esprit, Schanzenbäcker, BOK und ähnlichen Ketten nicht mehr all zu weit hergeholt, wenn ich vermute, dass die nächsten FlipFlops die ich mir auf der Schanze kaufe zwar immer noch in der Türkei gefertigt werden, die 2,69 EUR dann aber denn schwedischen Genies von Hasi und Mausi zu Gute kommen.

Ach was beschwer ich mich, mein Bier gehört doch auch den Dänen und meine letzten T-Shirts hab ich mir aus Amerika einfliegen lassen.

Es ist also nur richtig, wenn die Szene langsam von Konzernen unterwandert wird. Infiltration und die Zerstörung von Institutionen ist ja schon lange Gedankengut der „linken“ Szene auf der Schanze. Lustig, dass Mövenpick jetzt die Society zum Teté a teté genau dorthin lockt, wo man vor einigen Jahren noch medienwirksame Brandanschläge auf deren Eigentum plante.

Es ist schließlich chic anders zu sein und von Chic verstehen die Damen und Herren Besserverdiener etwas. Deswegen explodieren ja auch die Mietpreise im ehemaligen El Dorado anders Denkender. Mann muss ja zugeben, anders denken die Kinder reicher Eltern auch, die Überlegungen driften halt auseinander.

Ach was solls, das selbe musste St. Geor erleben, ähnliches haben Eimsbüttel und Ottensen über sich ergehen lassen, warum soll es ausgerechnet den verbohrten Antifas anders ergehen.

Ein kleiner Tipp, wenn ihr euch Sorgen macht, ob euer Viertel (Lurup, Barmbek, Mümmelmannsberg o.ä.) vielleicht der nächste Hotspot wird: Wenn mal die ersten Künstler und vor allem auch die ersten Werber glauben, es sei total anti in eurer Nachbarschaft zu wohnen, sattelt die Hühner, denn euer Erdgeschoss gehört bald Kamps oder „Ihr Sonnenstudio“!

In diesem Sinne Prost, ich gehe jetzt in die Schanze und trink ein Bier, wer weiß, wie lange ich das noch kann!

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