Sonnenterror

Da sind wir wieder und wie knapp 80 Mio. Menschen in Deutschland bin auch ich gut gelaunt. Den Grund dafür zu nennen ist wohl unnötig: Bayern ist gestern gegen Barca ausgeschieden.

Ja ich weiß, für die deutschen Teams sein, selbst wenn es der 1. FC Bestechungsgeld ist, aber in mir wehrt sich alles gegen diese Pauschalsympathie. Was solls, das Thema hätte sich vermutlich auch erledigt, wenn ich gestern im blau-roten Schal vor der Glotze rumgelümmelt hätte, allerdings hätte sich dann vermutlich auch mein mehr oder weniger scheinbares Antlitz erledigt gehabt, saß ich doch zusammen mit dem tättowierten Taugenichts in der Kleinen Pause zu St. Pauli. Und auch wenn die Millionärsligisten seiner Zeit beim St. Pauli Retter-Paket ordentlich geholfen haben, wage ich zu bezweifeln, dass einen das vor Prügel schützt, wenn man Alpinistengleich beschalt und bemützt durch den Kiez tigert.

Na ja, was war sonst noch? Ach ja, der Sommer ist da. Das hat auch etwas mehr mit dem Betreff des Artikels zu tun und verdient zumindest eine kurze Randbemerkung. Das schöne am Sommer ist ja neben längeren Tagen und kürzeren Röcken, dass man  sich nicht mehr in Lagen von Klamotten packen muss um vor die Tür zu gehen. das wiederum bedeutet, dass zumindest bei den meisten Menschen die noble Blässe (Noblesse?) einer Latte Macchiato-artigen Hautfarbe weicht. Da fällt mir ein: Auf meiner Lieblingshühnerstange, dem Galaostrich Schulterblatt, ereigneten sich gestern wundervolle Szenen.

Ich hole aus, denn nichts anderes wird von mir erwartet. Man mag von Straßenmusikanten halten, was man will, spätestens wenn man zentral auf der Schulter sitzt und die Kombo, betsehend aus 5 Twens Südbalkanesischer Abstammung, in einem Endlosloop „When the Saints go marching in“ tröten, tröllern, quetschen, fiepen, klöppeln usw., wird selbst der nachsichtigste Zeitgenosse irgendwann gequält anerkennen, dass es ein „zu viel des Guten“ gibt. Ob nun folgendes Verhalten das adäquate Verhalten dazu ist sei dahin gestellt.

Nach knapp 10 Minuten des infernalischen Getrötes erklangen in nicht überhörbarer Lautstärke von einem Balkon im 3. Stock Electroschranzen, die nicht einmal total zugedröhnte Technohamster auf ihrem ersten Acid-Trip tanzbar finden können. Der Ursprung der musikalischen Gegendiktatur entpuppte sich als Bose-Boxen-System einer „jungen“ Dame, die vermutlich Sozialpädagogik studiert und links (Grüne/Die Linke) gewählt hat. Der Yuppisierung des Viertels entgegenwirkend ging sie damit nicht nur den Straßenmusikanten tierisch auf die fahrlässig gebundenen Senkel, sondern auch einigen Kaffezombies, die sich extra früh aus den angrenzenden Agenturen geschlichen hatten um etwas Farbe zu tanken. Ganz zu schweigen von meiner Wenigkeit.

Warum jede frigide schlecht geölte Olle (den Geschlechtervertretern des gleichberechtigten Lagers sei gesagt, wäre es ein Typ gewessen würde ich Olle durch Oller ersetzen) meint, dass ihr ganz persönliches Empfinden einer wohnbaren Umgebung sich zeitgleich mit den Empfindungen aller anderen deckt, ist mir schleierhaft, zumal einige Zuhörer dies auch gegenteilig kommentierten.

Ich frage mich, wie jemand auf die Idee kommt, ausgerechnet in eine Wohnung mit den Fenstern zum Schulterblatt zu ziehen, wenn er oder sie dann nicht mit dem obligatirischen Mix aus schlecht gemachter Improvisationklassikern, Massengemurmel, Verkehrslärm und dem Getrappel ganzer Battalione von Mediengurus klar kommt. Ich ziehe doch als Veganer auch nicht nicht in den zweiten Stock eines McDonalds Restaurant.

Egal, ich mach den Schuh und grille jetzt auf dem Balkon von Finn, bis die Nachbarn die Bullen rufen, denn genau so etwas passiert, wenn man in einem jungen, liberalen Stadtteil in Hamburg wohnt.

 

So long, Feuer frei!

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