Und im Kopf nur Druckluft

Ich hab mal gehört, dass sich Menschen, die eine innige Beziehung zu ihren Tieren haben diese nach ihrem Abbild „kleiden“, frisieren und ähnlich schlimnmes Zeug. Ebenso hat man bei manchem 4 Beiner – 2 Beiner Gespann das Gefühl, dass die Besitzer optisch gleichfalls ihren Lieblingen ähnlich werden. Was mir zwar schon diverse Male aber noch nie in dieser Form bewusst wurde ist, dass es sich mit Autos ähnlich verhält. Ich bin ein relative besonnener Typ (das relativ bezieht sich auf die Zeit zwischen Freitag erstes Bier und Sonntag letztes Bier). Und ich habe ganz in der Tradition aller stereotypen Männer aus der Werbung (in der Werbung?) gar kein Auto. Aber wenn ich eins brauche, dann kann ich auf diverse Freunde zählen, so auch ein gewisser wasserliebender Nager, der mir seinen tiefergelegten GTI zur Verfügung gestellt hat. Ich dachte, ok, so was fahre ich im „echten Leben“ nie, also was solls. Ich kam mir nun auch nicht sonderlich anders vor, aber ich hätte spätestens bei der ersten Fahrzeugkontrolle wissen sollen, anderen schon!

Na ja, ich hab das mal auf den Vollbart und die schwarze Strumpfmasken-ähnliche Mütze geschoben, immerhin musste ich auch keinen Einbürgerungstest vorlegen und hab´s mit Humor genommen. Genau wie die nächste Episode und die darauf folgende und auch die vorletzte. Aber Samstag war Schluss. Ich habe zum ersten Mal seit seeeehhhhhhrrrrr langer Zeit einen Schulterblick vergessen und eine Spur gewechselt, die wohl schon einem echten Hamburger Taxifahrer gehörte. Man weiß ja heutzutage nicht mehr so Recht, was noch privat und was schon verstaatlicht ist, entsprechend wähnte ich mich im Recht. Kollege „2,60 für ne Anfahrt“ sah das anders, quittierte meine zutiefst gedankenlose und auf menschenverachtende Weise gefährliche Aktio mit einem eloquenten Hupkonzert der Marke „Berliner Luft“. Damit nicht genug, denn der Gute hatte an diesem Tag wohl nicht die gesprächigsten Kunden, oder wollte sonnenbankgebräunte Perltwen auf der Rückbank beeindrucken, man weiß es nicht, jedenfalls fuhr er unter Missachtung des Mindestabstands neben mich, liess sein Fenster runter und drückte mir seinen Roman: „Hauptsache Breite Reifen, aber im Kopf Unterdruck, wa?“

Ich gebe zu, das ist nicht die Krönung menschlicher Eloquenz, aber er hatte ja auch dem Tod ins Auge gesehen. Nun muss man vielleicht erwähnen, dass ich in meinem Leben schon einige unerfreuliche Begegnungen hatte (Lufthansa-(Schl)Angestellte, Arbeitsamt-Angequälte, Ex-Freundinnen) und aus diesem Grund recht gut weiß, wann man die Fresse zu halten hat, bei Frauen, und wann nicht, bei allen anderen. Also hab auch ich die Scheibe runtergelassen und ihm meinen Roman erzählt.

Gott ist mein Zeuge, wenn ich sage, dass er sich danach bestimmt ganz furchtbar geschämt hat, dass er in solchen Klischees gedacht hat und noch vor Ende seiner Tour Paris auf dem Rücksitz erklärt hat, er wisse nun es kommt auf die inneren Werte an. Ich kann also jetzt getrost schlafen, denn wieder habe ich eine verlorene Seele auf den rechten Weg geführt. Unser Schöpfer weiß schon, wozu er mich geschickt hat.

In diesem Sinne Prost und Amen.

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5 Kommentare

Eingeordnet unter Allgemeines

5 Antworten zu “Und im Kopf nur Druckluft

  1. werbespott

    Schön zu sehen, das wenigstens einer noch an das Gute im Menschen glaubt 😉

  2. man sollte dazu erwähnen, dass ich (als Frau) schon mehrfach in solchen Situationen (als Beifahrerin) war.

    Offenbar hatte ich bisher in solchen Situationen nur Machovollidioten als Fahrer, denn deine Reaktion war so köstlich dass ich in glockenhelles Lachen ausbrach statt beschämt und genervt wegzusehen und mich für den Rest des Tages zu fragen, was genau ich an der Testosteronschleuder nochmal mag.

    Bisher gehörtes:

    „Ich komm dir gleich“
    „Lass uns aussteigen“
    „was bist du denn für ein ****“
    „selber“ (mein Favorit)
    „Ars****“
    u.s.w.

    lebambi sagt folgendes, gechillt mit beiden Ellenbogen auf dem offenen Fenster und dem Kinn auf der Faust:

    „Du, wir können uns jetzt unheimlich männliche Beleidigungen an den Kopf werfen, meinetwegen auch den ganzen Tag, ich meine ich hab nichts weiter vor, wir können hier gern stehen bleiben. Ich kann aber auch einfach sagen, es tut mir leid, ich hab dich gesehen, kommt vor. Aber ganz wie du willst. Was auch immer dich glücklich macht, ich bin für beides offen!“

    :)))))))))))))

    Das hat sogar Mister „ichfahreinhamburgtaxiundbindeshalbwasbesseres“ zum Lächeln gebracht!

    Bravo!!!

  3. werbespott

    Auf den Mund gefallen ist labambi wirklich net,
    auch vonb mir bekommst Du ein Foto.

  4. werbespott

    Ich hab hier noch ein Film
    von Baby lebambi gefunden:

  5. lebambi

    Ich hab noch was besseres, die Eltern sind dermassen lustig, dass ich nur hoffen kann sie bekommen bald noch eins!

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