Blogs vs. Offline-Medien – Runde 2

Vorab: warum nenne ich es ausgerechnet so? Der DJV hat mich inspiriert („Aber von welcher Qualität sind die Texte und Bilder der Amateure?“) und ein „Videojournalist“ des Spiegel, der unbedingt Bilder von der verletzten Person machen wollte, die in den Krankenwagen gehoben wurde und dabei nicht auf den Polizisten hörte, der ihn dann mit „Staatsgewalt“ an der Ausübung seines Rechtes zur „Pressefreiheit“ hindern wollteLINK.

Die Kampf ist so alt wie das Bloggen selbst (einer der Beweise oder hier).

(polemik_an)Blogger halten Printmedien für zu langsam und zu „eingekauft“ – Printmedien verteidigen ihren Berufsstatus des Journalisten.(polemik_aus)

Schauen wir uns doch einmal an, welchen Berufsethos Journalisten auf dem Papier haben.

Aus dem Pressekodex des deutschen Presserates.

Ziffer 1 Wahrhaftigkeit und Achtung der Menschenwürde
Ziffer 2 Sorgfalt
Ziffer 3 Richtigstellung
Ziffer 4 Grenzen der Recherche
Ziffer 5 Berufsgeheimnis
Ziffer 6 Trennung von Tätigkeiten
Ziffer 7 Trennung von Werbung und Redaktion
Ziffer 8 Persönlichkeitsrechte
Ziffer 9 Schutz der Ehre
Ziffer 10 Religion, Weltanschauung, Sitte
Ziffer 11 Sensationsberichterstattung, Jugendschutz
Ziffer 12 Diskriminierungen
Ziffer 13 Unschuldsvermutung
(…)

Nicht, dass ich die nicht kannte, habe ich doch ebenfalls ein Studium des Journalismus absolviert. Ich hatte es nur vergessen in Anbetracht der Erfahrungen der letzten Jahre. Lest es Euch mal durch – ist wirklich rührend und amüsant.

Nun haben wir festgestellt, die einen früher die anderen später, dass viele Medien (ich würde gern sagen alle, aber ich bin ja kein Journalist im gelebten Sinne) es mit dieser Ethik nicht so genau nehmen.

Vor allem Bilder werden gern aus dem Internet genommen. Ob nun freigegeben oder nicht – weil sie ein großes öffentliches Interesse bedienen sollen. Schauriges aber lupenreines Beispiel ist die Bebilderung des Attentates in Winnenden. Wir erinnern uns an den widerwärtigen Höhepunkt, den wieder mal die BILD für sich beanspruchen durfte. Das Handyvideo der Dahinstreckung des Attentäters und die Privatbilder der Opfer aus dem Internet. (mind. Ziffern 8 & 11 #fail)

Wir sehen uns gerade auch in diesem Kampf einem tiefen Graben gegenüber. So gut wie jeder Blogger öffnet seine Beiträge für Kommentare. Das macht es auch so vielschichtig – eine breite Meinungsbildung wird ermöglicht. Dies ist bei Printmedien natürlich nicht der Fall. Leserbriefe werden selten abgedruckt und dann ist das Thema schon nicht mehr heiß. Dialog und unterschiedliche Betrachtungsweisen – Fehlanzeige.

Was unterscheidet denn nun einen Blogger vom Journalisten?

1. er ist oft tief in der Materie, über die er schreibt
2. verhaut er sich, kommen tausend (Achtung: um es anschaulich zu machen, wurde hier übertrieben) Kommentare
3. gleiches gilt, wenn er unethisch handelt
4. oftmals bloggen Blogger (hihi) nicht hauptberuflich, also stehen sie auch nicht unter dem enormen Druck der Lobbys, des Chefs, der Werbeeinnahmen
5. Blogger bloggen dann, wenn sie Lust dazu haben und wenn sie ein Thema wirklich interessiert, nicht, weil sie es müssen und tausend Themen auf dem Tisch haben und sich dann aus Zeitgründen dafür entscheiden, einfach eine Pressemitteilung zu übernehmen.

Sehen wir der Wahrheit ins Auge.

Meine Meinung ist, dass Journalisten sich darauf konzentrieren sollten, eine gute und fundierte Hintergrundrecherche zu leisten, die so manchem Blogger (noch) nicht zugänglich ist. Das bedeutet dann in dem aktuellen Fall auch, dass sie eine Verantwortung gehabt hätten, das Thema Zensursula fundiert zu recherchieren. Lügen aufzudecken und nicht aus beruflicher Eitelkeit heraus (sicher gibt es Ausnahmen – ohne Frage) die gesamte Internetcommunity zu verdammen und sich beleidigt zu sinnfreien und tiefenlosen Texten hinreißen zu lassen (oder im Fall von der BILD: sich von seiner Ehefrau lenken zu lassen #krogmann).

Schluß mit beleidigt und ab an konstruktive Arbeit. Dinge ändern sich und wenn immer alles so geblieben wäre wie früher, dann würden wir heute nicht mal über dieses so böse Internet kommunizieren geschweige denn eine Zeitung in die Hand nehmen.

Ich warte gespannt darauf, dass mein Vertrauen in die deutsche Presselandschaft wieder hergestellt wird und ich mich endlich wieder drauf freuen kann, eine der großen Zeitung wieder in die Hand zu nehmen – weil sie mir einen Mehrwert bietet.

so long buddys

kreativgeschwister

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7 Kommentare

Eingeordnet unter Allgemeines

7 Antworten zu “Blogs vs. Offline-Medien – Runde 2

  1. lebambi

    So, (Populismus an) Aus großer Kraft folgt große Verantwortung, siehe Spiderman (Populismus aus). Ja gut, das ist eigentlich nicht populistisch, es ist einfach nur „Pop“. Aber es ist auch nur eine Einleitung zu dem, was ich als Comment hinterlassen möchte. Die „Medien“ (böse böse Medien) bezeichnen sich selbst erfolgreich als „4. Macht im Staat“. Nach Lord Acton korrumpiert Macht, also was passiert mit der 4. Macht? Richtig, sie korrumpiert. Also nutzen Journalisten diese um sich, ihre, oder die Interessen ihrer Geldgeber hervorzuheben. Das ist normal. Nur, es ist nicht in Ordnung. Der Grundgedanke der 4. Macht war, Missstände der ersten 3 Mächte zu kontrollieren. Jetzt geht es darum, die eigene Macht zu schützen. Wichtig ist auch, dass Journalismus nicht gleich Journalismus ist. Definitionen gibt es viele. Nehmen wir mal diese: „Journalisten decken Dinge auf, beleuchten diese und erzählen sie der Öffentlichkeit“. Schön und gut, aber wer ohne eigene Meinung ist werfe den ersten Stein. Ihr merkt, worauf ich hinaus möchte? Mensch bleibt Mensch, egal in welchem Kleid. Warum also weiterhin die Journalisten als Heilsbringer, oder investigative Helfer betrachten. WIR haben alle Möglichkeiten, nutzen wir sie und Gnade uns Gott, dass wir es besser machen!

  2. Ja – word.

    Aber: wir befinden uns hier in unserer kleinen Miniwelt des Internet. Ein Mikrokosmos.

    Es ist arrogant zu glauben, dass wir den, der (wenn überhaupt) ein 5k-Modem hat, um ab und an mal seine E-Mails zu checken oder bei Wer-kennt-Wen zu flirten, mit unseren Blogbeiträgen erreichen.

    Das ist doch das, was wir in vielen offline-Diskussionen bei so vielen „linken“ Organisationen bemängeln: wir müssen die Sprache der Menschen sprechen – was sag ich: die Sprache der Masse. Da hilft es nicht sich in Wortspielkleinklein und versteckten hübschen Zitaten zu verlieren oder eine breite Brust zu haben, nur weil man permanent Fremdworte verwendet.

    Und es ist nicht nur die Sprache, es ist eben auch das Medium. Und wenn sich Blogger und Journalisten bekriegen wie Antifaschisten und Antikapitalisten oder oder oder, dann erreichen wir die Masse nicht.

    Schaut Euch die BILD an, schaut Euch rechte Propaganda an. Es sind vielleicht gar nicht die Inhalte. Es ist die Sprache – und das Medium.

    Beide müssen anfangen, sich zu ergänzen. Um etwas zu erreichen.

  3. lebambi

    Unser Mikrokosmos ist nicht so klein, immerhin sind wir „rechtsfreier Raum“. Und ja, die Sprache der Massen zu sprechen hat schon oft geholfen, aber eigentlich geht es nicht um die „Masse“, es geht darum, diejenigen zu mobilisieren, die eine Meinung, die Lust haben, sich zu engagieren, die etwas ändern wollen. Es gibt ein schönes Zitat (Wortspiel und Wortverliebtheit hin oder her): 100.000.000.000 Milliarden Fliegen können nicht irren, Scheiße schmeckt. Und genau darum geht es, Trägheit der Masse. Ich will keine Masse mobilisieren, ich will, dass die paar Menschen, die in der Lage sind sich eine eigene Meinung zu bilden das tun und vielleicht können wir Blogger sie dabei unterstützen. Denn diese Menschen sind es, die in der Lage wären oder sind, die Masse zu unterstützen. Bloggen hat den Vorteil, dass wir uns UNSERE Meinung bilden und (zumindest viele von uns) wissen, dass diese nicht dogmatisch sein soll.

  4. Und wenn du die nicht erreichst, die sich interessieren, aber nicht so wie wir permanent im Netz unterwegs sind?

    Warum ausschließen, dass ein gemeinsames Arbeiten gibt? Bzw. dass sich die Offline-Medien mal der Netzthemen annehmen – sie scannen – und dann mal tiefer recherchieren, vergleichen?

    Wenn Journalisten aufhören, nur dass zu schreiben, was die träge Masse interessiert, sondern mal Themen aufgreifen, die die Träge Masse mobilisiert?

    Was, wenn alle wüssten, mit welch schmutzigen Mitteln dieses Gesetz auf den Weg gebracht wurde und was es letztendlich für jeden von uns bedeuten kann? Was dort passiert ist hätte eine sogenannte Volkszeitung auf Seite 1 bringen müssen. Haben Sie aber nicht. Weil es Lobby ist – und weil es persönliche Beziehungen gibt. Das ist nicht Journalismus – das ist Meinungsmache.

    Journalismus muss informieren und darf sich vor keinen Karren spannen lassen – auch nicht vor unseren. Soviel ist klar.

    Wir müssen raus auf die Straße. Wir müssen die Arbeit der Journalisten machen. Und dafür müssen wir die Sprache der Masse sprechen. Kommen wir nicht drumrum.

  5. lebambi

    Ich bin nicht gegen die gemeinsame Arbeit, aber nicht um jeden Preis.
    Und die tendenzielle Masse der Menschen, die wir hier nicht erreichen, ist genau diese Masse, die wir erreichen könnten, wenn mehr Menschen, die wir erreichen mehr sprechen würden. Ist klar, oder?

    Ne? Mir auch nicht 😉

  6. Und News, man mag es kaum glauben, was man da liest.

    Ich hatte ihn ja mal als Prof. Da fand ich ihn recht besonnen. Naja, so kann der Eindruck täuschen.

    Oder es ist einfach ne Altersfrage?

    http://www.digitalpublic.de/michael-konken-vom-djv-erklart-sein-feindbild-internet

  7. Pingback: Sagt mal hackt’s euch??? « Totaler Scheiß

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