Unter den Talaren…

Der Axel Springer Verlag und allen voran Mathias Döpfner will sich mit den 68ern aussöhnen.

Das dürfte spannend werden, der Schiesshund aus dem Hause Springer trifft sich mit ehemaligen Führungsspitzen der Protestbewegung. Das Ganze soll im Oktober (natürlich) im Verlagshaus in Berlin stattfinden. Ziel der Veranstaltung ist laut Döpfner, „die damalige Zeit besser zu verstehen“.

Das erste „Springer-Tribunal“ sollte damals die Rolle der BILD im speziellen und des Verlagshauses Springer generell klären.

Die Hintergründe sollten jeden bekannt sein. Für eine (wirklich ganz kurze und „kaum“ meinungsgetränkte) Auffrischung: Benno Ohnesorg „fängt“ sich ne Kugel, die sich angeblich „versehentlich aus der Waffe“ von Karl-Heinz Kurras gelöst haben soll und stirbt.

Zuvor, so wurde seitens der Studentenschaft vorgeworfen, habe  BILD mit seiner Berichterstattung zur Aufhetzung von Polizei und Bevölkerung beigetragen. Um fair zu bleiben muss gesagt werden, dass dies auf beiden Seiten schon vor dem tragischen Mord an Benno Ohnesorg geschah und auch im Nachhinein nicht besser wurde. Das Springer, als Hardliner bekannt, von seiner Überzeugung die Studenten benähmen sich unangemessen (und sogar so weit ging, die Schuld am Mord der aggressiven Grundhaltung der Studenten zuzuschreiben) sorgte für die bis heute andauernde Skepsis, wenn nicht gar Feindschaft des Blatts und dem linken Lager. Dort hingegen wurde ebenso medienwirksam polemisiert „BILD schoss mit“.

Selbst wenn nie alle Details geklärt werden und man zugeben muss, dass die einzelne persönliche Meinung zur Mitschuld der BILD an den Ausschreitungen wohl eine Frage der Erziehung und eigenen Überzeugung ist, es mutet doch seltsam an. An sich wäre es eine löbliche Sache, wenn man eine eventuelle Mitschuld aufdecken wollte, ich persönlich glaube nur nicht, dass das „Tribunal“ wirklich irgendein Ergebnis haben wird. Diejenigen 68er, die nicht inzwischen Professoren, Politiker oder schlimmsten Falls Rechtsextreme sind und immer noch leben werden darauf bestehen, dass BILD eine Mitverantwortung trägt. Döpfner hingegen wird auf der Pressefreiheit und der freien Meinungsbildung beharren. Die einzuladenden Experten werden zwischen beiden Lagern pendeln und am Ende wissen wir, so viel als wie zuvor…

Wem soll also mit dem Tribunal geholfen werden? Herrn Döpfner, in dem er eine Live-Dokumentation bekommt? Dem Image der BILD? Benno Ohnesorg?

Meine Vermutung ist, dass man sich bei Springer gefragt hat, wie man öffentlichkeitswirksam Selbst- und Unschuldsbewusstseins demonstrieren kann und daraus auch noch Kasse macht. Es kann spannend werden, aber das kann rhytmische Sportgymnastik auch auch.

In diesem Sinne, wer zweimal mit der Gleichen pennt gehört schon zum Establishment!

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3 Kommentare

Eingeordnet unter Allgemeines

3 Antworten zu “Unter den Talaren…

  1. lebambi

    Dass dir das gefällt hab ich mir fast gedacht 🙂

  2. Pingback: Totaler Scheiß

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