Blüh im Glanze

dieses Lichtes…

Lagerfeuer

Lagerfeuer © P.Balzer

 

 

Haben sich die Schanzenbewohner gedacht und spontan ein paar Lagerfeuer errichtet. Dazu gab es Feuerwerk und Marschflugkörper der Marken Beck´s und Astra. 

Natürlich hatte auch jemand was dagegen und zwar die Mutant Hero Turtels mit ihren Helmen, Schilden, Schlagstöcken, Räumpanzern und Wasserwerfern. Ziemlich unentspannt, die kleinen Freunde der Sondereinsatz-BePo, zumal SIE doch der Grund für die Begeisterungsstürme waren.

Denn während sich die nahezu lethargische Feierei auf der Schanze über fast 12 Stunden hingezogen hatte, kleine Kinder olle Barbiepuppen und veraltete Hörspiele von Bob dem Baumeister varkauft hatten, nachdem Eltern sich und ihre Kleinen mit Kuchen, jugendliche sich mit Alkopops und Erwachsene sich mit Bier voll gestopft hatten, da erst kam es zum Eklat.

Nun wird es verschiedene Berichte geben, auf die ich jeweils eingehen möchte, und ich war dabei, also Augenzeugenberichte sozusagen.

Version 1: Polizei und Medien: „Das nicht angemeldete und somit per se schon suspekte Schanzenfest wurd von rund 1.000 Beamten der Bereitschaftspolizei aus Hamburg und Umland gesichert. Gegen 22 Uhr wurden Beamte Höhe Schulterblatt Ecke Bernstorffstraße mit Flaschen und Feuerwerkskörpern beworfen. Nur durch das schnelle Eingreifen der Beamten vor Ort konnte schlimmeres verhindert werden. Die Straßenkrawalle einiger autonomer Chaoten stachelte Teile der Passanten auf, woraufhin das Schulterblatt und im weiteren Verlauf auch Susannen- und Schanzenstraße geräumt werden mussten. Den Höhepunkt der Ausschreitungen erreichte die Situation dann am Neuen Pferdemarkt, wo Beamte von Mitgliedern des schwarzen Blocks massiv unter „Bewurf“ genommen wurden. Fazit des Abends: 6 Stunden Krawall, 67 vorläufige Festnahmen, 27 verletzte Beamte, diverse Brände, u.a. ein Einsatzwagen.“

Version 2: „Randalierer“: „Nachdem die Polizei durch erhöhte Präsenz schon den gesamten Nachmittag hindurch die Feiernden provoziert hat, kam es gegen 22 Uhr, nachdem der Ring von den Beamten bis auf knapp 100 Meter zusammengezogen wurde, zu vereinzelten „Haut ab“-Rufen. Ale einige Flaschen flogen und ein Böller explodierte, griff die Polizei sofort mit unangemessener Härte durch. Die Polizeigewalt erreichte ihren Höhepunkt, als nach Auflösung des Fetses und Vertreibung der Feiernden aus der Schanze die Polizei mit ungewöhnlicher Brutalität gegen Demonstranten vorging. Dabei wurden einige Menschen verletzt und sogar verhaftet.“

Version 3: Wie ich es erlebt habe. Ich war da und ich war auch vorne, ich habe eine Meinung und ich lasse mich nicht einschüchtern. Ich werfe keine Flaschen, ich werfe keine Steine. Der Polizist ist nicht per se mein Feind, also will ich ihn nicht mutmaßlich verletzen. Aber es stimmt, die Polizeipräsenz sorgt für eine Ballung gewlatbereiter Terrouristen (ich mag das Wort). Und ja, es sind Flachen geflogen, ehe Wasserwerfer eingesetzt wurden. Aber ich weiß nicht, ob ich uneingeschränkt die „Randalierer“ zu den Schuldigen machen würde. Gruppen wurden eingekesselt, humorvolle Protestaktionen gewalttätig beendet. Gleichzeitig wurde auch die Stimmung der „Demonstranten“, oder „Autonomen“, oder „Randalierern“, oder „Chaoten“ oder was auch immer man als Begriff einsetzen möchte gewaltbereiter.

Feuer und Flamme für die Schanze

Feuer und Flamme für die Schanze © P.Balzer

Strassenbarrikaden wurden errichtet, Flaschen geworfen. Die Sprechchöre wurden lauter. Die Polizei vertrieb schlussendlich die Menschen aus der Schanze. Danach lieferten sich schwarzer Block und Polizei wirklich brutale Kämpfe auf dem Neuer Pferdemarkt und Umgebung. Ich selbst habe gesehen, wie ein Polizist einen Vermummten (Schwarzer Block?) unvorbereitet mit voller Wucht umrempelte und anschliessend versuchte ihn mit einem Schlagstock Dingfest zu machen. Ich habe mich dazwischen gebracht, was mir eine zerrissene Hose und einige Schürfungen und Prellungen eingehandelt hat. Die Strassenblockade der „Autonomen“ Höhe „Kleine Pause“ ist das Letzte, was ich gesehen habe.

„Ein kleiner Einschub einer Episode, die ich bemerkenswert fand. Genau vor Schmitts Currywurst-Wasauchimmer hatten sich 2 Punks (ich nenne es mal „Unten Ohne“) drapiert um die Wasserwerfer am vordringen zu hindern. Mit Parolen wie „2 Wochen nicht geduacht, macht mich nass“ u.ä. waren diese Jungs ein tolles Beispiel, wie gewaltloser Widerstand aussehen kann, auch wenn es nicht hübsch anzusehen war. Umso trauriger, dass, als sie ihre Hosen wieder anziehen wollten die Polizei plötzlich einen zu Boden rang und mit blankem Hintern durch die Scherben geschleift hat um ihn mit Knüppeln zu malträtieren und mit Kabelbinder zu fesseln. DAS war ein extremes Beispiel für unangebrachte Gewaltanwendung. hinzugefügt, jetzt.“

 

Punkt 1: Wenn der Polizeisprecher von rund 1.000 Beamten spricht, es aber rund 1.800 waren, warum die Zahl runterspielen?

Punkt 2: Warum (auch wenn es nicht angemeldet ist) müssen 1.000 (1.800) Polizisten eine Feier überhaupt überwachen?

Punkt 3: Warum wird bei der Verfolgung von gewaltbereiten Autonomen so wenig Rücksicht auf die Bevölkerung genommen?

Und dann fängt man an zu überlegen. In den vergangenen Jahren, kam es immer wieder zu Auseinandersetzungen. Es wird auch Jahr für Jahr schlimmer. Angefangen hat es vermutlich mit einer verirrten Aktion, als jemand die Scheiben der Haspa eingeworfen hat. Ist ein Gewaltakt und eine Straftat, also erst Mal abzulehnen. Aber anstatt, dass man vorgeht wie immer und überall in Hamburg, werden „Truppen“ in die „autonom besetzte Zone“ entsandt, um die Ordnung wieder her zu stellen. Was hat man denn damals gedacht, was passiert? Egal. In den folgenden Jahren geschehen 2 Dinge. Erstens, die Gewaltspirale dreht sich weiter nach oben. Zweitens, weil das spannend ist und sie Schanze ja auch so „geil anders“ ziehen immer mehr angepasste Idioten hin. Ich habe bereits an anderer Stelle kommentiert, wie ich das finde.

Ziehen wie einmal eine unvoreingenommene Bilanz:

67 Verhaftungen, 27 verletzte Polizisten (k.A. wie viele „Autonome“ verletzt wurden -> Krankenkasse), 1 ausgebranntes Polizeifahrzeug (die 9 Autos von Donnerstag rechne ich mal nicht mit). Dazu kommen 2 Mio. Kosten für den Polizeieinsatz, eine noch unbekannte Summe an Sachschäden für Mülltonnen, Fensterscheiben, Autos, die Reinigungskosten wegen Glassplittern, die Lärmbelästigung für Schanze, karovirtel, St. Pauli, etc.

Ich schätze mal, dass das rund 2,5 Mio. Geldschaden und ca. 2.000 genervte Anwohner sind.

Aber welche Optionen haben wir? Zum einen gibt es die Forderung der Stadt (und derjeniger, die nicht verstehen, worum es den Ur-Schanzis geht): Schanzenfest verbieten, Überwachungsaufkommen erhöhen, Autonome Aufmärsche verhindern. Aktueller Kostenpunkt: Knapp – 2,5 Millionen + 2.000 genervte Anwohner – ein typischer Hamburger Stadtteil.

Oder McDonalds, H&M, Adidas, Apple, O2, Vodafone, Deigner-Optiker und Franchise-Ketten keine Konzession erteilen, das Schanzenfest befrieden (weniger Polizeipräsenz). Voraussichtliche Kosten: + 2,5 Mio + 2.000 zufriedene Anwohner + abwechslungsreiches Stadtbild – Mietkosten durch Centrifizierung und Allerwelts-Einkaufsmöglichkeiten.

Für mich klingt es nach einer einfachen Rechnung, aber irgendwer wird sich da schon seine fundierten Gedanken gemacht haben. Ich kann für ihn/sie nur hoffen, dass die höheren Mietpreise und die Konzessionen die Kosten reinholt, den der aktuelle Kurs der Stadt verursacht und ich kann nur hoffen, man ist glücklich, wenn die Schanze eine Disneyland-Kopie der ursprünglichen Verhältnisse geworden ist. Scheiss auf alternative Kunst, scheiss auf politisch motivierte junge Erwachsene, die anders denken. Scheiss auf Stadtbild und Vielfalt, scheiss auf Musik. Wie hieß es in den 60ern so schön bei Coke: „Wenn Sie kein Coca-Cola Schild mehr sehen, haben Sie die Grenzen der menschlichen Zivilisation erreicht.“ 

In diesem Sinne, Welcome to the jungle…

 

P.S. Was mich wirklich traurig stimmt ist die Tatsache, dass die „Demonstration“ nicht themenbezogen war. Es ging gegen die Centrifizierung und die Überwachung der Schanze, aber das nur am Rande.

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18 Kommentare

Eingeordnet unter Allgemeines, Gesellschaft, Politik

18 Antworten zu “Blüh im Glanze

  1. Fab

    bin schon nen bischen stolz auf dich so wie du die bullen ins krankenhaus geprügelt hast und die autos angezündet 😉

    aber ich verstehe immer noch nicht was McDonalds, H&M, Adidas, Apple, O2, Vodafone, Deigner-Optiker und Franchise-Ketten damit zu tun haben?

  2. oh, das ist relativ einfach.

    Diese Großketten etc. werden nicht für die dort hingestellt, die in der Schanze seit Jahren leben und sie zu dem gemacht haben was sie ist (ein beschauliches, alternatives Viertel). Alternativ meine ich deshalb, weil ich, wenn ich Ketten haben will, auch in die Innenstadt fahren kann, wenn ich überteuerte Boutiquen mit Edelkleidern nach Eppendorf (und so weiter und so fort) fahren kann.

    Es geht darum, dass der Lebensraum dort yuppiisiert und verteuert wird, nur weil andere es hip gemacht haben. Kommen die Ketten kommen noch mehr Idioten, das ist nun wirklich kein Geheimnis (siehe Altona).

    Dagegen wird sich zur Wehr gesetzt, weil man einfach keine Lust mehr hat, dass immer nur das Portemonaie entscheidet. Natürlich kann eine Boutique mit handgemachten Kindersachen oder ein T-Shirtladen nicht gegen die Preise von H&M mithalten. Und da nun einige eben nicht neben einem H&M wohnen wollen, werden die alteingesessenen in ein neues Viertel ziehen, welches sie dann wieder aufbauen und hip machen bis auch das dann wieder kommerzialisiert wird. Verloren ist die Schanze schon lange, dennoch ist sie das Zentrum dessen, was man eigentlich aber gar nicht aufgeben will!

    Und das ist keine Polemik, keine Propaganda sondern gelebte Stadtpolitik in HH. (siehe auch St. Georg, Hafenstraße und wie gesagt Altona) ich erlebe es ja bei mir im Innenhof. da werden Wände gestrichen und dann die Mieten verdreifacht. Wenn man sich wehren will wird man gekündigt und es stehen genügend Leute Schlange, die unbedingt im hippen Stadtteil wohnen wollen.

    Der ist spätestens dann schon nicht mehr hip.

    Ich bin gespannt, welches Viertel es als nächstes wird.

    • Fab

      naja, „Lebensraum dort yuppiisiert“ ist schon auf bildzeitungs niveau und reine polemik. ich finde die diskussion sehr sehr einseitig. das versuche ich euch ja laufend zu sagen. ich habe nicht gesagt das ich gut heisse was „da passiert“. deswegen müsst ihr mir das nicht erklären was passiert. ich bin ja nicht dumm. ich habe nur das gefühl das ihr was vergesst.
      und zwar das es auch noch andere menschen auf der welt gibt. und wenn die da hin ziehen wollen ist das ihr recht. ebenso die läden. das nennt man rechtstaat. die alternative ist diktatur. (jetzt keine diskussionen über staatsformen 🙂 (ich kann mich sogar erinnern, dass eben du mir sagtest das veränderung in gesaellschaften immer gut und ok sind solange sie friedlich ablaufen).

      1.
      “ ich erlebe es ja bei mir im Innenhof. da werden Wände gestrichen und dann die Mieten verdreifacht. “

      das ist ein klassiches argument. aber was passiert wenn man 50 oder 100 jahre nix an gebäuden macht? richtig sie werden unbewohnbar. wohnraum hat es an sich, dass er alle 30-50 jahre saniert werden muss. woher sollen wohnunggesellschaften das geld dafür nehmen. es regt mich maßlos auf, das immer die fadenscheinigen argumente „uh die reniovieren immer die schönen altbau häuser und erhöhen dann die mieten“ kommen. ja aber wie gesagt gebäude renovieren sich nicht von alleine und bleiben nicht ewig stehnen. und das kostet nun mal richtig viel gelt. und ja ja ich weiß es gibt auch alternative wohnkonzepte wo die leute sich selber darum kümmern. aber das ist nun einfach einmal nicht normal.

      2. wie siehe altona? wo ist altona denn bitte yuppisiert? warst du mal in düsseldorf oder köln? und wer weiß ob sich in der schanze überhaupt große marken halten werden. die gegend hatte ja ihren reiz wegen den kneipen.

      3. Kommen die Ketten kommen noch mehr Idioten, das ist nun wirklich kein Geheimnis“

      diesen satz kann man zwar nachvollziehen, es aber sehr arrogant…. wir sind nicht besser als die über die du dich aufregst.

      what so ever. damit ich mich nicht noch mehr aufrege. ich bin raus hier.

      • ich hab in Altona gewohnt und ich wohne in der Schanze. Ich glaube ich kann das sehr gut aus erster Hand beurteilen, ohne dass man mir Polemik vorwirft.

        und ich habe die Wohnungen vorher und nachher gesehen. Und die Mieter, mit Verlaub. Mein Argument war, dass die Erhöhung der Mieten und die Sanierung

        a) in keinem Verhältnis stehen

        und

        b) nicht gemacht werden, weil sie notwendig sind (das ist naiv, sorry), sondern weil man sich den dicken Reibach erhofft. Statt die Wände von außen eierschalen zu streichen sollte man den Schimmel innen beseitigen. Aber das kommt dann, wenn die mieten, die es sich leisten können zu protestieren.

        Und deswegen gern nochmal: ich bin die letzte die polemisch ist, dieser Vorwurf ist Quatsch. Aber ich erlebe es eben am eigenen Leib mit.

        Und wenn du schon von Rechten sprichst. Was ist denn mit dem Recht der Leute die da wohnen und rausgeklagt gemieterhöht werden? Die müssen weichen für das Recht der extrem solventen Mieter. Das ist dann Rechtsstaat? Portemonaierechtsstaat vielleicht…

      • und by the way, doch ich meine andere als uns. Und das weißt du genau so gut. Zumindest mich nehme ich da raus. Ob du noch irgendwie anders bist als ich dich kenne kann ich nicht beurteilen. Wenn nicht, dann bist Du auch nicht wie die die ich meine.

  3. lebambi

    Die Leute IN der Schanze wollen diese Unternehmen da nicht.

    Und sie anzulocken, damit man NEUE Schanzenbewohner aquirieren kann, die dann auch bereit sind bis zu 25% mehr Miete zu bezahlen ist in meinen Augen verwerflich.

    Warum muss denn jeder Stadtteil hip werden?
    Kann man die Schanze denn nicht einfach lassen?
    Erst Bambule und jetzt die Ganze Schanze?

    Warum? Und warum hört man zu Gunsten des Profits überhaupt nicht mehr auf die Proteste derer, die es dann vorerst betrifft?

  4. LaGrandeMisere

    Interessant, dass die Schanzenbewohner auf einmal ein homogenes Völkchen sind…
    Angebot schafft Nachfrage, wenn niemand in diesen Läden einkaufen würde, dann wären sie dort auch nicht. Und wenn ich mich recht entsinne, dann ist der McD dort recht gut besucht.

  5. werbespott

    Vielleicht ist es mein BWL Studium,
    aber in meinen Augen ist das ne ganz einfache Gleichung:
    Nachfrage regelt Angebot.

    Menschen ohne viel Geld haben mit guten Ideen,
    Kreativität und Ihrem eigenem Kopf haben das Viertel geprägt und zu dem gemacht was es heute ist.
    Das haben sie so gut gemacht, das nun wohlbetuchte (Phantasielosigkeit mal dahin gestellt) Menschen dort unbedingt wohnen möchten.
    Aber natürlich nur, wenn sie Ihre wohlbekannten Größen (Große Ketten) in Gehweite haben.

    Persönliche Meinungen und Präferenzen mal dahin gestellt, wenn Leute mit viel Geld Lust haben in Objekten zu wohnen und bereit sind deutlich höhere Mieten als bislang zu zahlen ist das ein Einnahmeplus für die Vermieter. Und wer sagt da schon freiwillig „nein Danke“? Wenn ich Gebäude sanieren muss, tue ich als Besitzer das doch viel lieber, wenn ich weiß, das ich die Kosten dafür schnell wieder drin habe.

    Und zu den großen Ketten:
    Wenn ein neuer Markt vorhanden ist,
    auf dem sie Ihre Produkte absetzen können
    warum sollten sie ihn nicht auch erschließen?

    Alles verändert sich, wird anders.

    So what?

    Und mal ganz provokant in die Runde gefragt,
    stammt bedeutet “alternativ” in Begriffen wie “alternative Lebensformen” oder “alternative Kunst”
    nicht “konkurierent mit den bestehenden Normen”?

    Das würde doch bedeuten, das in der Schanze lediglich eine alternative Bewegung Einzug hält,
    oder?

  6. lebambi

    Nennt es, wie ihr wollt, ich laube, dass die Schanze sehr lange ohne McDonalds klar gekommen ist.

    Man sagt auch, Konkurrenz belebe das Geschäft, wo sind also im Umfeld von Görtz die ganzen kleinen Schuhmacher?
    Wo im Umfeld von Saturn die ganzen Indie-Plattenläden?

    Und wenn ich aus den Schanzenbewohnern ein homogenes Völckchen mache, dann ist das letztlich nicht schlimmer, als wenn dei Medien aus allen Anwesenden Kritikern „Randalierer“ machen.

    Ihr habt Recht, wenn Angebot Nachfrage schafft, aber ist das immer gut (s. Kinderpornografie-Debatte)?
    Und muss ein Stadtteil wirklich seinen Flair aufgeben zu Gunsten der „besser betuchten“?
    Wohin denn mit den Menschen, die derzeit dort wohnen, aber den höheren Mietspiegel nicht bezahlen können?

    Zur Frage nach dem Wörtchen Alternativ: Es bedeutet aber auch nicht, dass der Mainstream zu einer neuen Alternative wird, denke ich.

  7. lebambi

    Btw: McDonalds ist gut besucht, aber von genau den „Touristen“, die sich auch an den Zuständen um die Rote Flora stören.

    Also Flora abreissen und ein Cineplex bauen?

  8. LaGrandeMisere

    gern, wollte sowieso mal wieder ins Kino.
    Ne im Ernst, nur weil die einen verallgemeinern, muss man es ihnen ja nicht gleich tun.
    Ich verstehe die Problemaik, aber ich verstehe auch die Vorgehensweise der Konzerne und der Polizei. Erstere machen einfach nur das, was sie groß gemacht hat und was die Grundlage unserer kapitalistischen Gesellschaft ist. Letztere befolgen Befehle, die ich jetzt mal aussen vor lasse und gehen gegen die schon Gewaltbereiten vor. Ich sage nicht, dass sie diese Gewalt nicht auch ein wenig provozieren, aber auch ohne Provokation wäre es hässlich geworden.
    O-ton Kommilitonen: Vergesst nicht Steine heute Abend mitzunehmen, das wird voll derb…

  9. lebambi

    Ok…
    Du hast bzgl. jeder einzelnen Aussage Recht.

    Thema Konzerne: Die können aber nur mieten (oder kaufen) wo man sie lässt. Wenn ich also eine Entscheidung zu treffen habe, ob oder ob nicht z.B. McD in die Schanze gehört, dann muss ich auch auf die Proteste eingehen, mich fragen, ob das ins Stadtteilbild passt und welche Kosten auf mich zu kommen.
    Die Rechnung habe ich (sehr vereinfacht dargestellt), den Rest muss man Ernst nehmen.

    Thema Gewalt auf der Schanze: Vermutlich wäre auch so etwas kaputt gegangen, ach was, sicher sogar. Aber wie ebenfalls im Artikel beschrieben, geschieht dies nicht nur beim Schanzenfest und auch nicht nur auf der Schanze. Die Polizeipräsenz macht es einfach nicht besser.

    Und Du hast natürlich recht, Veralgemeinerungen sind nicht doll, aber halten wir einmal fest, dass diejenigen, die die Schanze geprägt haben nicht die Konsum-Materialisten (auch das kommt im BWL-Studium vor @ Werbespott) oder die Modernen Performer waren, die jetzt entscheiden, wie sich das Stadtbild verändert. Und MICH ganz persönlich ärgert es schlicht, dass diese Leute mehr oder weniger rausgepreist werden, weil man es kann.

    Ich kann auch Steine schmeissen, oder Kindern Lollies klauen, nur tue ich es nicht.
    Eine Befähigung ist noch keine Verpflichtung diese auszuüben!

  10. LaGrandeMisere

    Ich gebe dir absolut Recht.
    Das Problem ist einfach nur, dass ich keine wirkliche Alternative zu dem Vorgehen der Polizei nennen kann. Viele der Polizisten die dort im Einsatz waren, haben schon mehrere dieser Aktionen hinter sich gebracht und mussten mitansehen wie ihre Kollegen verletzt wurden. Dies rechtfertigt natürlich keine radikales, verallgemeinerndes und besonders rasches Vorgehen, wie es an besagtem Schanzenfest der Fall war, aber es hilft ein wenig dieses zu verstehen. Man muss schließlich immer beide Seiten betrachten. Und ich kann auch den Familenvater (welche es in der Polizei sehr viele gibt) verstehen, der dem vermeintlich Autonomen (den er ja nicht vorher erkennen kann) mit dem Schlagstock auf den Arm haut, weil dieser ihn anpackt. Das er dies nur getan hat, weil er im angetrunkenen Zustand, ihm etwas sagen wollte, kann der Polizist nicht wissen, sondern muss leider davon ausgehen, dass er dies macht um ihn an sich heranzuziehen und ihm eine Flasche über den Kopf zu hauen.
    Es ist nicht gut was in der Schanze passiert, aber leider ist das ein Problem, dass nicht so einseitig betrachtet werden kann, wie es von den Meiden und den Radikalen getan wird.

  11. Word. Darauf können wir uns einigen.

    Ich schreibe parallel schon den ganzen Tag an einem Artikel, der so reflektiert und differenziert sein soll, wie es mir möglich ist.

    Gleiches gilt eben für die Situation auf der Schanze oder in vielen anderen Vierteln in Hamburg auch. Es müssen alle mal ein bißchen runterkommen. Dann ist ein Miteinander auch weitaus eher möglich.

    Dazu gehört aber auch, dass wenn ich ein Viertel ziehe, welches dafür bekannt ist, dass man sich dort gern trifft, lang draußen sitzt und Musik macht, mir genau das bewußt ist und ich mich dann nicht darüber beschwere. Das ist nämlich auch die freie Entscheidung: dann eben nicht dahin zu ziehen.

  12. lebambi

    Als Ergänzung, wir verstehen uns hier nicht als freie Journalistische Einrichtung, was wir auf Grund der Tatsache schon nicht können, dass wir alle berufstätig sind und nicht die Zeit hätten fundierter zu recherchieren… Leider!

    Deswegen findest Du hier oftmals polemische und zumeist subjektive Artikel, die aber trotzdem nicht ausser Acht lassen wollen (und sollen), dass es IMMER mehr als eine Seite der Geschichte gibt.

    Ich gebe dir also Recht, und füge hinzu, dass die Vorgehensweise der Einsatzleiter oftmals schlechte Randbedingungen für die Einsatzkräfte vorsehen, was die Situation verschlimmert.

    Dennoch muss auf beiden Seiten nachgeben. Und wenn die Polizei eine Profession hat (entgegen der „Randallierer), dann sollten diese Beamten es sein, denn der „Klügere“ gibt nach!

  13. Hier übrigens eine sportliche Betrachtung des Schanzenfestes http://hanscustom.wordpress.com/2009/07/05/spielbericht-schanzenfestspiele/

    sehr lesenswert!

  14. Pingback: „Und das goldene… « Totaler Scheiß

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