Celebrate hard times… Come on

Ja, auch ich gehöre zu den Menschen, die den Iran bis zum März diesen Jahres immer nur mit dem Regime Ahmadinedschad gleichgesetzt hatten. Ich habe mich nicht gefragt, ob und wie dieser Irre seine Macht legitimisiert. Ich habe nicht überlegt, dass es sicherlich auch im Iran Menschen gibt, die eben nicht mit allen machtgierigen Ansichten ihres „Diktators“ konform sind.

Dann kam der 14.03.2009 und mit ihm eine gewisse innere Spannung. Sollte es tatsächlich einen Regierungswechsel geben? Ich war kritisch-optimistisch allerdings nicht sonderlich erstaunt, als es sich abzuzeichnen begann, dass die Machtverhältnisse bestehen bleiben. Für mich war es ein Zeichen, dass Demokratie eben Zeit braucht und klar, dass dann eben beim nächsten Mal Mussawi die Chance hat. Ich wollte zu diesem Zeitpunkt nicht einmal ausschliessen, dass zur Mehrheitsbildung auch „unsaubere“ Mittel gewählt würden.

Womit ich nicht gerechnet hatte war die Dreistheit, mit der vorgegangen wurde. Womit ich definitiv nicht gerechnet hatte, war die Entschlossenheit der Oppositionsanhänger, gegen dieses korrupte System vorzugehen.

Und plötzlich war überall Iran. Iran wurde zum geflügelten Wort dafür, dass Menschen, auch wenn Ihnen Repressalien drohen, für eine Sache aufstehen. Iran wurde auch zum Zeichen dafür, dass Menschen für ihre Überzeugung sterben. Iran wurde zum Zeichen dafür, dass Solidarität nicht in Mecklenburg-Vorpommern mit dem Soli-Zuschlag anfängt und an der polnischen Grenze wieder aufhört. Wir waren aufgerüttelt. Nicht nur die Demonstrationen, nicht nur die Bilder blutverschmierter Demonstranten, nicht nur die letzten Augenblicke von Neda (die ich mir aus meinem Pietätsverständnis nicht angesehen habe) waren es, die uns aufgerüttelt haben, sondern vor allem der uneingeschränkte Wille, die Demokratie zu erhalten.

Deswegen möchte ich heute hier alle, die nichts davon wussten auf den 10. Jahrestag der ‏فاجعه کوی دانشگاه oder wie sie bei uns hiessen Kuye Daneschgah Katastrophe hinweisen.

Ahmad Batebi 1999

Ahmad Batebi 1999

Lasst uns den heutigen Tag zum Anlass nehmen zu zeigen, dass wir immer noch an die Iraner glauben, dass wir die Unterdrückung der liberalen Iraner nicht einfach wegignorieren, weil der Glamour der Jackson-Beerdigung kurzweiliger ist.

Denn nicht erst 2009 haben sich Iraner gegen ihr Regime gewährt, 1979 die islamische Revolution, die mit dem Sturz des Shahs von persien erste vorsichtige Schritte in Richtung Republik erlaubten, und die erwähnten Unruhen von 1999 sind nur zwei Belege dafür, dass das iranische Volk es versteht, sich zur Wehr zu setzen.

Nun ist die Wahl von Ajatolah Chamenei für gültig erklärt worden und Ahmadinedschad im Amt bestätigt. Es zeichnet sich auch ab, dass die Stimmauszählung vermutlich selbst ohne Betrug dieses Machtverhältnis ergeben hätte und dennoch dürfen wir uns jetzt nicht abwenden, denn diejenigen, die im Iran auf der Strasse standen, dort gejagt, verprügelt und verhaftet worden sind, ihnen drohen jetzt harte Strafen. Neda ist tot und das ist tragisch, aber jetzt die Unterstützung abzubrechen würde bedeuten, dass sie nur ein temporäres Symbol war. Weiter zu machen heisst, ihren Tod weniger sinnlos zu machen.

In diesem Sinne, these boots are made for walkin

Advertisements

6 Kommentare

Eingeordnet unter Allgemeines

6 Antworten zu “Celebrate hard times… Come on

  1. Fab

    jetzt wirds duster in des folter-gefängnissen des iran

  2. jap…

    und das schlimme ist: was will man dagegen tun?

  3. Fab

    im iran einmarschieren? 😉

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s