Ton, Steine, Scherben – und ein übelgelaunter Motorradclub

Am Wochenende habe ich es endlich das erste Mal geschafft: Rock am Schloß in Gödens – meine alte Heimat.

Ein kleines beschauliches Festival an einem Schloß im schönen Friesland. Vor allem unbekannte Bands haben dort eine Plattform erhalten in den letzten Jahren, ihre Songs und sich selbst vorzustellen.

Wie gesagt, in diesem Jahr habe ich es endlich geschafft.

Die Gruppe aus ca. 12 Leuten, die mit mir von Hamburg in die alte Heimat reisen wollten, schmolz dann irgendwie auf 3. Inkl. mir.

Egal. Gummistiefel waren eingepackt, ich war guter Dinge. Das änderte sich auch nicht, als ich auf den schon arg ramponierten Parkplatz fuhr. Sorgen, wie man den am Sonntag wieder verlassen soll, verschob ich auf Sonntag.

Schon beim Überqueren der Straße am Beginn des Zulaufweges blickte ich auf etwa 5 schwarzgekleidete Herren unterschiedlicher Haarlänge und Alters, die alle Vorbeilaufenden eingehend und mit steinernen Miene beäugten. Optisch hatten sie eins gemein. Eine Kutte. Der Gremium MC war dort und, wie ich schnell hörte, vor allem für die „Sicherheit“ zuständig.

Eins vorab: Ich fahre selbst seit Jahren Motorrad und ja, auch ich war früher Teil einer Gruppe, die sich ca. 3 mal im Jahr traf. Das erste Mal um ein Treffen zu planen, das 2. Mal für das Treffen, und das dritte Mal um zu feiern, dass wir das Treffen so gut über die Bühne gebracht haben. Sicher haben wir auch Scherze gemacht, dass keiner sich da blicken lassen soll, der ein Nicht-italienisches Motorrad fährt. Aber ganz im Ernst: da waren alte und junge und dicke und dünne und alle Motorradmarken und Frauen und Männer und schwule und heteros und asexuelle, einfach alles. Es gab nie Streß, es sei denn ein Kuttenträger oder Bewohner kam (kein Vorurteil sondern gelernte Praxis) und hat welchen gesucht.

Also habe ich nichts gegen Motorradfahrer und dass sie sich ab und zu treffen und Spaß zusammen haben (feiern oder Motorrad fahren, oder motorradfahrend feiern).

Aber ich habe etwas gegen Leute, die sich besser fühlen als andere, nur weil sie eine Uniform anziehen. Auch wenn sie politische Hintergründe und Rassismus ja bei sich ausschließen. Sie schließen ja vieles aus, was schlecht ist.

Auch Frauen. Egal ob die Motorrad fahren oder nicht. Es sind Frauen, die haben da nichts verloren.

Naja, darüber hatte ich mir einfach noch keine Gedanken gemacht. Ich fühlte mich aber unwohl. Überall diese Jungs, die umherschlichen und arrogante Kommentare abgaben.
Erinnerte mich irgendwie an „Die Welle“. Da haben auch die Verlierer der Klassengemeinschaft ungeahnte „Stärken“ entwickelt durch das Tragen einer Uniform. Und sich auf einmal besser gefühlt.

Ich gehe auf so ein Festival, um Spaß zu haben. Und um mir Ton, Steine, Scherben anzusehen, die übrigens auch für Freiheit und gegen Kontrolle sangen. Und ich zahle ja auch dafür. Ich zahle zum Beispiel auch die unverschämten Bierpreise (4 EUR für 0,5 L des heimischen Biers + 1 EUR Pfand). Und dann bin ich Kunde und Gast und nicht jemand, der überwacht und kontrolliert werden muss. Höflichkeit ist oberstes Gebot. Das gilt selbstverständlich auch für mich.

Es war so, dass feiernde Gruppen mit spöttischen Kommentaren („Jetzt komm mal runter Kleiner“) überzogen wurden. Wenn man den Zeltplatz betreten wollte, dann musste man sein Bändchen vorzeigen (gut, kann man machen, muss man nicht, aber das ist ja noch ok). Nur einfach vorzeigen gilt nicht. Nein man muss stehenbleiben, wenn der Oberfeldwebellandeirocker das so will. Und wenn man dann beim nächsten Mal stehen bleibt um eine Diskussion direkt zu vermeiden, dann wird man geschoben und es heißt „weitergehen jetzt“.

Diese Wut auf das ganze Getue und den Eindruck, den diese Spinner da verbreitet haben von der friesischen Gastfreundlichkeit haben dazu geführt, dass ich das Gespräch gesucht habe. Ich wollte verstehen, warum die so sind und habe eben einfach mal gefragt. Auch, wie das denn mit den Frauen ist….

Wenn sie jetzt gesagt hätten: „Ach weißt du, manchmal sind die Jungs halt gern unter sich…“ und und und, es in irgendeiner Form sympathisch rübergebracht hätten, dann wäre das doch alles kein Problem gewsen. Ich war betrunken und hätte es süß gefunden. Irgendwie. Lass die Jungs spielen. Haben sie aber nicht. Sie haben sich aufgeplustert. Und ich bin ja manchmal leicht zu provozieren, vor allem wenn ich mich so Witzfiguren gegenübersehe. Ich fragte dann also, was denn die Minderjährigen dort in ihrer viel zu großen Kutte machen und ja zugegeben, der Alkoholpegel (und einige Zusammenstöße mit dem pupertierenden Nachwuchs“bruder“) verleitete mich zu dem Wort Penner.
Dann wurde es etwas ungemütlich und ich sah, dass ich hier eh nicht weiterkomme und verließ das Gespräch mit einem sehr erwachsenen:“Bringt hier ja alles eh nichts. Ich geh jetzt weg bevor ich noch ausflippe.“

Diese guten Männer rauften sich dann zusammen, sprachen von Platzverweis und wurden sehr unhöflich.

Nicht, dass das was mit der Zeltplatzsicherheit zu tun gehabt hätte. Aber sie waren in ihrer Ehre gekränkt.

Ich hab es ignoriert, bin trotzdem weiter gegangen auf den Zeltplatz und habe mich sehr echauffiert. Was soll man machen? Meine Freunde dort hatten die Idee es so zu tun, wie wir es von der HH Schanze kennen und Steine und Flaschen zu sammeln. Aber das ist nicht der Sinn dieses Festivals.

Der Sinn dieses Festivals ist, in Frieden und frei zu feiern.

Jetzt ist man mit dem Wort „Fascho“ ganz schnell. War ich auch. War der Alkohol, außerdem ist es ein tolles Schimpfwort. Aber es ist dumm. Das muss ich jetzt im Nachhinein mal zugeben. Natürlich ist Faschismus ein politisch besetzter Begriff und diese ganze Aktion hatte nichts mit Politik zu tun. Im großen Zusammenhang kann man natürlich darüber diskutieren, ob die Herren sich da nicht eine Parallelgesellschaft mit eigenen Gesetzen schaffen und in dieser Welt dann Faschos sind, aber das soll hier mal nicht meine Sorge sein.

Für mich ist jedenfalls klar: So lange die Organisatoren von Rock am Schloß eine derartige Vereinigung die „Tür“ machen lassen sehen sie mich als Gast nicht wieder. Blöd nur, dass Gremium MC ja dafür bekannt ist, sich in die Türsteherszene zu prügeln selbstlos als Türsteher anzubieten (siehe 7.000 Artikel online über Gerichtsverhandlungen etc.). Wie würde es dann aussehen? Dann sagt man denen: Ne irgendwie dies Jahr nicht so, wir haben da andere Leute, die das machen. Und dann? Dann kommen sie und fackeln das Fest ab? So sieht es also aus, wenn man frei feiern will?

Großes #fail

Und ich freue mich schon auf die ganzen bashingkommentare und ich überlege auch, sie alle mit 5 Sternen zu raten.

Riding on a dead horse, homies… ich fühl mich erleichtert. Etwas Wut von der Seele.

Bis dennis
kreativgeschwister

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4 Kommentare

Eingeordnet unter Allgemeines, Gesellschaft, Satire

4 Antworten zu “Ton, Steine, Scherben – und ein übelgelaunter Motorradclub

  1. orgateam

    Hallo,

    erstmal vielen Dank für Deinen Besuch auf unserem Festival. Ich habe heute Deinen Beitrag in unserem Pressespiegel gelesen und gemerkt, dass er nicht einfach emotional runtergeschrieben war, sondern sich hier jemand konstruktiv Gedanken über das Festival macht. Dafür erstmal „vielen Dank“. Bislang gab es keine Beschwerden über die Kooperation mit dem Gremium. Deswegen irritiert mich der Eintrag, ich möchte aber gerne Deine Version des Vorfalls hören und bitte Dich deswegen Dich mit uns in Verbindung zu setzen. Einfach eine Mail mit Telefonnummer an k.gleich@schloss-goedens.de schicken. Ich werde mich dann umgehend telefonisch melden.

    Vielen Dank!

  2. DAS nenn ich gute Pressearbeit!

  3. So, hier meine Antwort:

    Hallo,

    erst einmal „Danke“ für das schnelle und differenzierte Wahrnehmen meines Blogbeitrags. Da ich selber in der Pressearbeit tätig bin weiß ich, dass das nicht selbstverständlich ist.

    Ich bin heute leider mit Terminen zugeschüttet bis ca. 19:30 Uhr, dann aber erreichbar. Ich gebe dir gern die Telefonnummer, aber ich bitte dich (aus Erfahrung wird man klug), diese nicht weiterzugeben. Wenn du mir das garantieren kannst, dann sende ich sie dir.

    Nur schon mal vorab: Eigentlich wurde alles geschrieben. Natürlich sprech ich aber gern noch einmal mit dir. Der „Vorfall“ am Freitag Abend hatte sich ja von selbst gelegt, dadurch dass ich meine Freunde beruhigen konnte (trotz Alkoholpegel, der bei Festivals normal ist) und auch weil Gremium nicht durchsetzte, was sie angedroht hatten. Nichtsdestotrotz war es eine Atmosphäre, in der ich mich nicht als Gast fühlen konnte, der befreit feiern kann, sondern als geduldet aber unter ständiger Beobachtung.

    Wie auch immer, noch einmal danke fürs Wahrnehmen und ich freu mich auf Nachricht

    LG

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