Rocky jedenfalls…

hat nie auf jemanden eingeschlagen, der am Boden lag.
Anders sieht es aktuell in der Web2.0-Gemeinde aus. Anlass der offenen Häme ist das nicht wirklich gelungene Auftreten von Vodafone mit der neuen Kampagne.
Drehen wir das Rad etwas zurück und sehen uns an, was passiert ist:

08.07.09 Düsseldorf
Nach langer Ankündigung kommt Vodafone mit einem Paukenschlag und einer neuen Kampagne raus.
Dass das allein schon eigentlich kurios ist fällt keinem auf, dafür aber einigen die Kinnlade runter. Man hatte nachdem bekannt geworden war, dass Vodafone sich ganz neu positionieren will mit allem gerechnet, nur nicht mit so etwas hahnebüchenem wie „Es ist deine Zeit – Generation upload“.
Tada, da sind wir, Deutschlands größter Mobilprovider und wir nennen die neue Generation Golf nicht einfach Golf V sondern Upload.

Ein Meisterstück an Marketingleistung… NICHT! Wie man so konsequent den ConsumerInsight übergehen kann und dann auch noch Lichtjahre zu spät mit einem offensichtlichen Gesellschaftsphänomen auf Kundenfang gehen kann, das entzieht sich meinem Horizont.

Na gut, wir alle machen Fehler und wenigstens hat man zwischenzeitlich bei Vodafone gemerkt, welchen Murks man da veranstaltet hat, aber wenn man so tief in die Scheiße greift, dann kann man mit einem Blatt Klopapier halt nicht den ganzen Arm waschen.
Das ist also schon mal eine Randnotiz, einen Kommentar, ja offensichtlich sogar einige Blogbeiträge wert. Zumal man, ich kann es kaum fassen, auch noch mit prominenten Bloggern wirbt, die der Zielgruppe (Neukunden für mobile Geräte für Datenempfang, -Versand und -Austausch) zwar überhaupt nichts sagen (Lobo wer?), aber signalisieren sollen „Hallo, wir kennen da jemanden, der Internet hat!“

Was mich aber eigentlich stört ist die Tatsache, dass diese ganze Kritik ähnlich unreflektiert ist, wie meine Artikel. Da lese ich z.B. als Facebook-Status „XY Wurde jetzt zweimal hintereinander aus der Vodafone-Hotline gekickt. Wieviel #Fail braucht es noch?“ Und die Kommentare dazu sind wie zu erwarten… hämisch. ABER: Wir vergessen dabei eine Sache. Auch die jedes Mal zitierte Konkurrenz ist NICHT BESSER!

Denn egal, welchen Provider man wählt, egal, welches „tolle“ Angebot man bekommt (Flatrate, Datenvolumen, …) die Telekommunikationsanbieter zocken uns ab. Alle? Ja alle! Uns alle? Ja uns alle!
Und wenn bei Vodafone jemand aud der Leitung fliegt, dann kann er sich getrost zurücklehnen, weil irgendwo in Deutschland jemand das selbe Problem bei T-Mobile, Base, O2 o.a. hat. Nur: darüber redet gerade keiner, weil Vodafone eben diesen dummen dummen Versuch gestartet hat sich als „part of family“ in einer Szene zu installieren, die eben nicht auf Kommerz getrimmt werden möchte.

Andererseits finde ich das genau so weit oder auch wenig verwerflich, wie mit der ollen Hacknase Paul Potts die innersten Gefühle (Mitleid) der Zielgruppe zu penetrieren und damit Werbung zu machen. Der „arme“ Kerl sieht scheiße aus… UND? Pavarotti war auch nicht gerade der nächste James Dean, oder? Und jetzt tourt der Kerl durch Europa und jeder Mittelklasse-Trottel, der was auf sich hält hat ein Paul Potts Album!

Im Endeffekt ist die wirkliche Botschaft des Spots: „Wer mit einem Talent gesegnet ist und sich bereit erklärt, sich für 2 Minuten zum Idioten zu machen, wer statt ehrlicher Arbeit lieber durch eine Jury mittelmässig begabter C-Prominenter zum Erfolg kommen möchte und wer dann auch noch so clever ist, das Ganze als Geschichte an die Medien zu verschachern, der kann es nach gaaaanz oben schaffen!“ Daraus hergeleitet heisst das dann, wir sind alle Idioten, die aber mit Glück (und T-irgendwas) auch was erreichen könnten.

Beat this! Da ist mir die seichte Botschaft von Vodafone doch lieber. Wenn es also „meine Zeit ist“, dann hab ich auch die Möglichkeit mich zu fragen, warum die Werbung einer Firma hinterfragt wird und nicht deren Geschäftsgebahren? Potemkinsche Dörfer, damit man was zu tratschen hat? Vermutlich nicht, denn auch wenn selbst schlechte Publicity immer noch Publicity ist, dann hätte man sich die Werbemillionen für diesen Murks sparen und lieber irgendeinen Datenskandal anzetteln können.

Ich für meinen Teil halte es mit Shell „Wir haben verstanden!“

In diesem Sinne, Wirb Forest, WIRB!

LeBambi

P.S. Ich hab mir den Spot noch mal angesehen und stelle folgende Frage in den Raum:
Wie viele Takes hat es wohl gebraucht um Sascha Lobo soweit zu timen, dass „we can beat them“ fast auf den Tatkt passt?
Mal abgesehen davon, dass er das Ganze gewohnt enthusiastisch vorträgt?
Für sachdienliche Hinweise oder gute Schätzungen lobe ich ein Freibier bei Birgit in der Cont(r)aBar aus!

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