Unwort des Jahres 2009: “ Qualitätsjournalismus „

Burda laufend redet davon, Murdoch will dafür Geld haben. Qualitätsjournalismus. Aber was ist das? Sind das Scoops wie die „Hitlertagebücher“, Embedded Journalism, Falschmeldungen der BILD Zeitungen, die unzähligen Rechtschreibfehler auf Welt Online oder Angriffe der vermeintlichen geistigen Elite des Landes auf die Netzkultur in den Feuilletons?

Die großen Herausgeber vermögen das auch nicht so richtig zu sagen. Aber sie wollen für alles Geld haben. Am besten auch dafür, dass man ihre Artikel bei Google findet.

Gestern titelte der Spiegel: „Warum das Internet neue Regeln braucht.“ und „Die Refugien der Diebe, Rüfmörder, Kinderschänder entziehen sich weitgehend der Kontrolle des Rechtstaates“. Auch hier impliziert ein Qualitätsmedium mal wieder „Das Internet ist ein rechtsfreier Raum“. Dümmer geht’s kaum und nun spielt das ehemalige „Sturmgeschütz der Demokratie“ den reaktionären zukunftsfeindlichen Strömungen in diesem Land in die Hand. Goodbye Spiegel. Lesen wir weiter ist der Artikel zwar nicht schlecht recherchiert. Aber er spart das wichtigste Problem aus:

Wir haben genug Rechtsmittel um Verbrecher im Netz zu verfolgen. Schon jetzt. Unsere Regierung ist aber unfähig diese umzusetzen. Die Mittel die für die Exekutive aufgewendet werden sind verschwindend gering. Stellen wir uns einfach mal vor Berlin hätte nur 100 Polizisten im Einsatz.

Und genau da liegt die schwäche der Qualitätsmedien. Beziehungen zwischen einzelnen Themen herstellen und die Politik anprangern. Berlin ist hier nämlich das richtige Stichwort. Letzte Woche hat Klaus „WoWi“ Wowereit in Berlin die vermutlich teuerste U-Bahn der Welt eingeweiht. Ganze 3 Stationen für 320 Millionen Euro. Na wenn das nicht nach Bestechung und Betrug al la „Hey Onkel, du hast doch ne Baufirma, brauchst du nicht nen Auftrag für ne U-Bahn? Gibt dir auch mehr Geld als es wert ist.“ klingt. Das ist so usus in der Politik. Die 320 Millionen könne man beispielsweise in sinvolleres stecken. Ebenso die 64 Millionen die die Bundesagentur für Arbeit für neue Rechner ausgibt. Die Rechner haben eine Leistung mit der man topaktuelle Computerspiele spielen kann und ist für einen Office Betrieb absolut „überpowert“, wie der Gamer sagt. Oder besser „IMBA“.

Aber wo ist hier der Qualitätsjournalismus? Auf den Titelseiten sind diese Themen nicht anzutreffen. Kein Sonderblatt über die Machenschaften von Schreiber und der CDU. Burda und co. wollen es sich vermutlich nicht mit den Top-Politikern verscherzen, damit diese nach der Wahl ihnen sicherlich ein exklusiv Interview geben.

In diesem Sinne:

Ein hoch auf die Gratiskultur. Vieleicht kann sich da der „Qualitätsjournalismus“ mal doch was abschneiden. In den letzten 5 Jahren haben unabhängige Blogger, Surfer, freie Autoren oder Forennutzer viel mehr zum aufdecken von Machenschaften, Verbrechen (Siehe das aktuelle Buch von Roberto Saviano) oder Produktbetrug von großen Unternehmen beigetragen als „die großen 3“. Der Geist von Woodward und Bernstein sind im Qualitätsjournalismus längst verschwunden. Also muss der Bürger mal wieder alles selber machen…

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12 Kommentare

Eingeordnet unter Gesellschaft, Journalismus, medien, presse

12 Antworten zu “Unwort des Jahres 2009: “ Qualitätsjournalismus „

  1. Thank you honey! Du hast so Recht.

  2. Hab ja den Pressekodex, den sich die Journalisten immerhin selbst auferlegt haben, ja in meinem Post Blogs vs. Offline Medien auch mal auseinandergepflückt. Es zählt nur noch, was sich verkauft und wem man dabei NICHT auf den Schlips tritt…

    Ein Professor aus Rumänien (Mihai Coman, Kommunikationswissenschaftler) sagte mir mal:“Pressefreiheit in Deutschland? Ha! Da sind wir ja wohl deutlich freier!“

  3. Pingback: Herzlich Willkommen, Sommerloch! « Totaler Scheiß

  4. werbespott

    Hier ein schönes Beispiel, wozu Qualitätsjournalismus führen kann:
    https://totalerscheiss.wordpress.com/2009/09/02/herzlich-willkommen-sommerloch/

  5. werbespott

    tatsächlich, abgefahren!
    Ein hoch auf die Technik!

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