Babysteps – Teil 2: Die erste Liebe

Ich wünschte ich könnte an dieser Stelle irgendetwas Wunderschönes sagen wie: Meine erste Liebe war ich selbst. Oder: Meine Eltern waren meine erste Liebe.

Genau genommen war meine erste Liebe ein ziemlich sonderbarer Mann. Er war 3 Meter groß, hatte Segelohren und pustete Träume in die Zimmer kleiner Kinder. Er entführte ein Waisenkind in die Wüste und hielt sie in seiner Höhle. Er hieß GuRie. Was für „Guter Riese“ steht. Ich hielt das mit sieben Jahren für unheimlich tiefsinnig. Roald Dahl war der Schriftsteller, der mir an Weihnachten 1987 meine erste Liebe als Weihnachtsgeschenk machte. Durch die Hände meiner Patentante. Er konnte wohl nicht persönlich erscheinen.

Wenn man es genau nimmt, dann konnte man da schon meinen Hang zu starken und großen Männern erkennen, die ihre Macht über die schwächere Partnerin ausüben. Aber dazu später. Im Buch wurde ja auch alles gut. Gemeinsam zerstörten Sophiechen, das Waisenkind, und der GuRie die bösen kinderfressenden Riesen. Nicht ganz ohne Komik, dass diese ausgerechnet in London von der Queen persönlich eingesperrt wurden.

Nachdem ich mich lange Jahre mit diesem Buch vergnügt hatte (natürlich habe ich auch andere gelesen, aber keines davon konnte meine Liebe erkämpfen), stellte ich mit Entsetzen fest, dass ich nun 13 und umzingelt von liebeswütigen kichernden Mädels war. Die hatten kein anderes Thema als die „süßen“ Jungs aus der Klasse, dem Sportverein, der Eisdiele oder in Serien und Boygroups.

Es war sonderbar. Schließlich hielt ich das andere Geschlecht nach wie vor für ausgesprochen dämlich und selten nervtötend. Immer wollten sie die ersten beim Klettern sein, ließen einen nie mitspielen, wenn es um Fußball oder ähnliches ging und waren absolut nicht in der Lage, sich mit mir gescheit zu prügeln. Ich wurde mit fünf Jahren eingeschult, jetzt zeigte sich, warum das eine semi-gute Idee war. Nicht nur, dass ich damals lautstark auf die Einschulung pochte, weil ich endlich selber lesen wollte und böse enttäuscht wurde, welcher anderer Schwachsinn mir aufgezwungen wurde. Nein, dies hier hatte eine neue Problematik aufgeworfen: Die Pubertät, in der meine mindestens ein Jahr älteren Mitschüler schon steckten, die ich noch weit weit vor mir hatte.

Nun war ich aber in diesem Umfeld. Seufzend und sehr sehr schweren Herzens trennte ich mich von meinem Riesenfreund und begann meinen neugierigen Beobachtungsfeldzug. Schließlich musste ich mich ja in irgendeiner Form auf diese neuen Umgebungsparameter einstellen. Nachdem ich für mich glaubte, ein Konzept dieses Wahnsinns erkennen zu können, stellte ich fest, dass ich nun auch einen Freund haben müsste. Allein des sozialen Drucks wegen.

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