Hamburger Wohnungsmarkt vor dem Kollaps?

Hafencity Hamburg sieht sich als aufstrebende Stadt, die nicht wie Berlin in einen Bauboom verfallen ist und mit bedacht und sorgfalt baut. So jedenfalls der offizielle Tenor. Aktuelle Situation: Das Umland immer unbeliebter, alle wollen in die  City. Ein aktueller Werbespruch auf einem Plakat in der Sternschanze: Leben am Puls der Zeit.

Gebaut wird in Hamburg ganz viel. Das größte und ambitionierteste Projekt ist die Neugestaltung der Hafencity. Kernstück des neuen Viertels und neues Wahrzeichen der Stadt soll die Elbphilharmonie sein. Ganz in der Tradition von  Bauten z.B. wie der Oper in Sydney, Australien, ein imposantes Werk. Kulturpolitik wird das genannt und sollte ursprünglich „nur“ 75 Millionen Euro kosten. Die Entwicklungskurve der Kosten (vergl. Explosion)  im Laufe der letzten Jahre, hätte Jubel ausgelöst, wäre es ein Aktienkurs gewesen. 2006 beliefen sich die Kosten schon auf 241 Millionen, derzeit gehen Millionengrab ElbphilharmonieSchätzungen gar von 500 Millionen Euro aus. Da wären 7 Millionen Euro für ein Viertel wie z.B. das Gängeviertel ja, um es in Bänkersprache zu sagen, Peanuts.

Auch das Gebiet um die Elbphilharmonie wird derzeit stark bebaut. Modernste Wohn und Geschäftsgebäude entstehen mit einer atemberaubenden Geschwindigkeit. Viele Touristen besuchen schon jetzt die Gegend und machen staunend Fotos von den Neubauten. Auf nachfrage könnte sich aber auch niemand vorstellen dort zu wohnen. Macht aber auch nichts, leisten kann er es sich eh nicht. Eine kleine 2-3 Zimmerwohnung ist in dem Teil nicht unter 900 Euro Kaltmiete zu haben. Nach oben werden es schnell 1000-2000 Euro kalt. Das sind keine unüblichen Preise für Hamburg. Auch die Kosten für Bürofläche ist in den Neubauten sehr sehr hoch. Stark gebaut wird in Hamburg von den Investoren, die morgenluft riechen gerne. Der Leerstand von Bürogebäuden in Hamburg liegt unter 10%. Große Rendiete fast garantiert. Gebaut wird aber fast ausschließlich im absoluten Premium Bereicht. Bei Wohnungen und Büros. Wer soll in der Kriese da einziehen? In Irland ist die Immobilien Branche längst wegen solch offensichtlichem Fehlplanens zum erliegen gekommen.

Jetzt mag man sich ja denken, selber schuld wenn die Firmen was bauen wofür es keine Nachfrage gibt, ist ja deren Risiko. Doch weit gefehlt. Die Stadt Hamburg hat für die eventuellen Leerstände vor Baubeginn die Sicherheit gegeben, dass die Stadt die Mieten zahlt wenn es leer steht. Und damit zahlen wir, HTCdie Bürger die teuren und leerstehenden Gebäude. So wie jahre lang den Turm am HTC. Der Vermieter wollte ihn nur ganz vermieten, daher fand er niemanden und er stand leer. Gezahlt hat es auch der Steuerzahler, also ihr da draussen. Der Hamburger kauft sich also seine Skyline selber. Profitieren darf er davon, dass er seinen lieben Verwandten Hamburg-Postkarten mit einer tollen Skyline schicken darf. Aber wo wird der Hamburger in Zukunft wohnen? Der Durchschnitts Hamburger kann ja keine 1-2 Tausend Euro für eine Wohnung aufbringen. Auch sonst günstige und schäbige Stadtteile haben horrende Mieten. Dafür darf er aber auch exclusiv und modern wohnen, leben am Impuls der Zeit, mitten im Leben:

Bernhard Nocht Quartier

Sehen Sie da Kinder spielen? Die Aufnahme ist vom Sonntag. In BNQ Brauquartier herrscht immer eine gespenstische Stille. Wie am Totensonntag, nur sau teuer. Nur bei den Stadtoberen ist noch nicht angekommen, was jeder neu Bürger auf Wohnungssuche weiß: es gibt in Hamburg kaum noch bezahlbaren Wohnraum und es wird nur teurer nachgebaut.

fab (inkl. Fotos)

Totale Scheiss Gallerie:


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7 Kommentare

Eingeordnet unter Gesellschaft, hamburg, Immobilien

7 Antworten zu “Hamburger Wohnungsmarkt vor dem Kollaps?

  1. Fab

    ach ja, und sehen irgendwie alle gebäude gleich aus. das haben sie sogar in den 90ern besser gemacht^^

  2. lebambi

    Kann es sein, dass deine Beiträge immer besser werden?
    Entweder Du hast das Stilmittel der Differenziertheit gefunden, oder einen guten Ghostwriter.

    Wirklich toller Artikel mit allem drum und dran, (inkl. Fotos)

    Freu mich auf mehr!

  3. Pingback: Hamburg ist uncool « Totaler Scheiß

  4. hanscustom

    Du sprichts (sicher nicht nur) mir aus der Seele. Trotzdem eine kleine Anmerkung vom Klugscheisser: Bei dem, was Du als BNQ bezeichnest, handelt es sich um das Brauquartier. Das BNQ läge 300 Meter weiter und ist bisher „nur“ in der Planung.

    • Fab

      danke für den hinweis! ich wusste tatsächlich nicht wie das heisst. daher hab ich es einfach nach der straße und dem angrenzenden revier bezeichnet^^

      wird geändert.

  5. Pingback: Fundstücke 04 | funkygog Bauen

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