Hamburg ist uncool.

(c) brutel / PIXELIO.DE

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Ja, zugegeben, etwas sehr provokativ. Aber ich bin auch gerade sehr emotional. Deswegen die Warnung vorab: Das hier wird unschön und sehr polemisch! Warum? Der Investor Hanzevast hat seine Rate gezahlt, nachdem die Stadt ihm eine Fristverlängerung zugestanden hat. Allerorten ist nun Resignation zu spüren. Macht Hamburg das jetzt uncool oder war es das vielleicht immer schon?

Als junges Mädchen, das auf dem ostfriesischen Land aufgewachsen ist, war Hamburg für mich immer „das Leben, die Freiheit, die Kreativität, das Tor zur Welt, die Vielfalt“.

Meine Freundin ging dann nach dem Abitur nach Hamburg und ich war das ein oder andere Mal zu Besuch. Alles riesengroß und schnell und stylishe selbstbewußte Menschen allerorten. Ich war verunsichert, dennoch nach wie vor fasziniert.

Mit 25 zog ich dann nach Hamburg für ein Praxissemester. Ich lernte es schätzen, dass man gefühlt jeden Abend etwas anderes tun kann in dieser Stadt und dass man auf offene Menschen trifft, mit denen man je nach Laune feiern, diskutieren, lachen oder auch weinen kann.

Zurück in der Heimat fühlte sich alles piefig und grau an und ich wollte zurück – so bald wie möglich. Das tat ich dann 2007.

Seitdem lerne ich folgendes von dieser Stadt: meine Heimat mag piefig sein und klein und spießig, aber sie ist konsequent und ehrlich und gibt nicht vor, etwas anderes zu sein.

Was tut Hamburg? Hamburg verkauft sich als weltoffene Stadt, die Kultur fördert und Kreativen die Hand reicht.

Mein Gefühl (und Gott sei Dank haben wir ja noch eine im Grundgesetz verankerte Meinungsfreiheit): Die einzigen Kreativen, die gefördert werden, sind die gut bezahlten Werber, die „Kunst“ machen, um Produkte zu verkaufen, von denen man nie dachte, dass man sie braucht. Ich spreche hier nicht von den Praktikanten, Junioren, Volontären, Grafikern, Textern und Beratern, die ausgebeutet werden und (wenn ich mich so umschaue) den Spaß an ihrer Arbeit jeden Tag aufs Neue herbeizwingen müssen. Ich spreche von denen, die so viel verdienen, dass sie sich die Wohnungspreise leisten können, die hier verlangt werden, die die Ketten wollen, die hier angesiedelt werden.

Hamburg ist nicht mehr für alle da und die Stadt macht nicht Politik für seine Bürger sondern für die Bürger die sie gern hätte.

Versteht mich nicht falsch. Im Ansatz bin ich auch einer von den Werbern und ja, auch habe ich nicht die Probleme, ein WG-Zimmer auf Pauli zu bezahlen (noch). Das heißt aber nicht, dass ich gut finde, was hier gesamtgesellschaftlich in Hamburg passiert. Es heißt auch nicht, dass ich gut finde, dass Menschen sich Wohnungen nicht mehr leisten können, alle Stadtteile drohen gleich auszusehen und Büros vor Wohnungen gebaut werden. Und vor allem habe ich keine Lust, in einer Stadt zu leben die für Kultur keinen Platz hat. Klar, jetzt kommt die Elbphilarmonie. Aber dazu hat sich Fab schon genügend geäußert.

Ich möchte Kultur sich entwickeln sehen, ich möchte Künstler sehen, die noch nicht so satt sind, von dem was sie machen, aber die eine Vision haben, der sie mit aller Leidenschaft entgegenstreben.

An allen Ecken und Enden brodelt es und ich denke, es ist nicht mehr lang, bis es knallt.

Die „Besetzung“ des Gängeviertels war für mich der schönste Moment hier in Hamburg. Endlich fühlte ich das, was ich in diese Stadt immer hineininterpretiert hatte: Freiheit und die „Eier“ für seine Ziele einzustehen. Und das Ganze (im Gegensatz zu dem Großteil der Schanzenspiele) völlig gewaltfrei. Auf einmal war sogar die Springerpresse auf der guten Seite!

Dann zahlt Hanzevast nicht und ich denke: Das ist die Chance für die Stadt Hamburg. Sie nahm sie nicht wahr sondern verlängerte die Frist mit Vermerk darauf, dass sie das Viertel zurückfordert, wenn diese Frist auch nicht eingehalten wird. Auch kommen da schon zögerliche Bemerkungen, dass man dann über eine Nutzung mit den Künstlern verhandeln könne. Warum dann eine Verlängerung?

pqm / PIXELIO.DE

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Ich hasse es, aber ich bin mittlerweile schon zynisch genug, um da schon misstrauisch gewesen zu sein. Warum auf einmal der Sinneswandel?

Klar, warum. Was ist, wenn die Stadt schon wußte, dass Hanzevast nur einen Aufschub gebraucht hat? Was, wenn sich dann einfach eine tolle PR-Möglichkeit ergeben hat? So dass man nun nur noch mitleidig schauen, die Schultern hochziehen kann und sagen: „Wir haben einen Vertrag, den müssen wir einhalten, wir haben es ja versucht!“

Für mich ist Hamburg damit endgültig uncool geworden.

Das Einzige, was es jetzt noch retten kann ist, dass die Bevölkerung sich in diesem einen Thema tatsächlich mal einig ist und sich engagiert statt nur gelangweilt alles zu verfolgen. Wenn wir alle jetzt aufstehen und jeden Abend in die Gänge kommen, um zu zeigen: Wir sind hier! Wenn wir es schaffen, dass die Stadt Hamburg begreift, dass sie nicht Politik an ihren Bürgern vorbei machen kann.

marcusgogo / PIXELIO.DE

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Ansonsten eben auf nach Leipzig!

genervte Grüße! kreativgeschwister

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22 Kommentare

Eingeordnet unter Gesellschaft, hamburg, Politik

22 Antworten zu “Hamburg ist uncool.

  1. häh

    am liebsten würde ich diesem „hamburg“ auf die fresse hauen. jaja, ich weiß, keine gewalt und so. aber…

  2. ja geht mir ähnlich, nur beendet Gewalt leider endgültig jeder Diskussion!

    Hilflosigkeit treibt Aggressionen nur, deswegen verstehe ich es.

  3. jop

    hätte die menscheit immer alles so hingenommen, wie es die herrschenden gerne hätten, würden die lebensumstände noch beschissener sein. deswegen: sich zu wehren ist nichts schlimmes. eine bessere welt, eine bessere stadt muß erkämpft werden.

    • ja, aber da ging es um Leben und Tod, dann finde ich Gewalt auch angebracht.

      In diesem Fall glaube ich an die Macht der Masse, die friedlich demonstriert und blockiert!

      • jop

        absolut. wenn die polizei dann mitmacht, gerne.

        • we will see. Sie greifen nicht an, wenn man keine Flaschen schmeißt, habe ich oft genug gesehen jetze…

          Wenn wir nur da sitzen, was sollen sie dann machen? Vor allem direkt neben dem Springer-Moloch, die ja witzigerweise auf der Seite der Künstler stehen.

          Und: ich finde es wäre auch eine Form der Demo, jetzt jeden Tag hinzugehen, die Besucherzahlen in schwindelerregende Höhen zu treiben. Blogposts ohne Ende, internationale Resonanz, Print, TV etc.

          Die volle Rotze. Wir können auch anders!

          • jop

            „we will see. Sie greifen nicht an, wenn man keine Flaschen schmeißt, habe ich oft genug gesehen jetze…“

            sorry, darüber kann ich nur herzlich lachen. obwohl, nein, das macht mich traurig.
            schön wär`s, die realität sieht aber anders. zb erst letztens in berlin, ging auch durch so gut wie alle bekannten blogs.

            • gut, so macht jeder seine Erfahrung. Aber man kann es ja auch erst einmal abwarten, wenn man demonstriert?

              Nur so als Versuch?

              Wenn es dann doch eskaliert, dann es kaliert es, aber wir sollten nicht sagen „wir wollen, dass es eskaliert“ sondern wir wollen, dass es friedlich bleibt und geben euch keinen Anlass.

              Glaub mir, ich bin auch bereit mich zu verteidigen, aber ich greif nicht an!

              Also ich denke wir sind uns ja einig: wir wollen keine Gewalt und hoffen, dass es dazu nicht kommt, right? 😉

  4. St. Pokal

    Mal wieder bin ich in der ärgerlichen Situation in einer anderen Stadt festzusitzen, wenn sich etwas im Gängeviertel tut. Dies war auch bei der Besetzung so…
    Deswegen bleibt mir nicht viel als hier meinen Kommentar zu hinterlassen.
    Ich bin in Hamburg geboren und liebe diese Stadt heiß und innig.
    Allerdings ist es für mich bestürzend was seit einem bestimmten Regierungswechsel in dieser Stadt passiert ist.
    Plötzlich scheint es nur noch darum zu gehen, dieser Stadt ein so uniformes Gesicht zu geben, dass sie aus sämtlichen Ranglisten der sehens- und lebenswerten Städte dieser Welt verschwindet.
    Das fing in der Schanze und St. Pauli an, führte zur HafenCity und geht nun leider in den historischen Teilen weiter.
    Reissen wir doch gleich die Speicherstadt ein und und setzen eine Glaskuppel auf Hamburg um auch noch das Wetter touristen- und snobfreundlich zu machen.
    Entschuldigt meine Polemik, aber langsam fällt mir nichts besser mehr ein.
    Außerdem passt es so schön zu unserem werten Bürgermeister und seiner achso bunten Koalition.
    In diesem Sinne… Kommt in die Gänge!!!

  5. Fab

    tja, für den hanseaten ist nur kunst und kultur, wenn es teuer ist.

  6. lebambi

    Sich nur zu ärgern hilft nicht und wie schon so oft an dieser Stelle ist auch die Frage des Gängeviertels eine Frage der Masse.

    Und wenn es immer nur „wir“ sind, die dort gesehen werden hilft das alles nichts.
    Wenn man mal sieht, wer alles als Supporter auf der Gängeseite gelistet ist… Wenn diese Menschen auch da sind (und teilweise sind sie das), wenn sie ihre Freunde und Bekannte mitbringen (und teilweise tun sie das), wenn sie ihr Funktion als Sprachrohr, vielleicht sogar der besseren Gesellschaft nutzen (und teilweise nutzen sie diese), dann haben wir eine komplette Umverteilung der Wahrnehmungen.

    Leider wird uns langhaarigen, rastazöpfigen, palätragenden, ungewaschenen, tättowierten Kindsköpfen ja oft genug das Recht auf einen moralischen Kompass, ja sogar auf eine Meinung abgesprochen, aber man kann nicht über den Kopf einer Stadt hinweg entscheiden.

    „Wir sind das Volk“, aktueller denn je, 20 Jahre nach dem Fall der Mauer feiert sich die Republik für den Umschwung politischer Verhältnisse aus dem Volk heraus. Würdigt dieses Volk, und wenn es nur dadurch ist, dass ihr es ernst nehmt!

    Ole hörst Du mich?
    WIR sind DEIN Volk und Du und deinen Mannen und Damen haben die Chance zu beweisen, dass Kunst, Demokratie und Menschen mehr zählen, als verspätet geleistete Nullen auf den Konten.

    Wenn Hanzevast umbedingt was historisches kaputt machen will, dann sollen sie sich Schloss Brederode vornehmen, das wird auch kaum benutzt und ist auch schon was älter.

    Ich für meinen Teil werde nicht einfach zusehen, wie wir immer mehr davon verscherbeln, was diese Stadt ausmacht. Im Zweifelsfall verkaufe ich den Senat geschlossen als Harem an einen verqueren Bisexuellen Scheich. Dann kommt schon Geld in die Kasse!

  7. Pingback: Kultur in der Krise – komm in die Gänge, Hamburg | zuendelkind

  8. rudi

    Oh Gott ich habe genug von dieser arroganten Stadt. Hamburg ist eine Hure mit einem sehr fiesen Charakter. Ihre Einwohner sehr Arrogant und hochnäsig. Es gibt hier kein Charme nur die Geldgier regiert hier den Flow.
    Und was mich hier richtig nervt ist wenn du einkaufen gehst und du ständig immer wieder diese scheiß “ Gerne “ von den Verkäufern hörst. Was völlig unernst gemeint ist………..

  9. rudi

    Achso und was auch wirklich der kranke scheiss in dieser scheiss Stadt Hamburg ist, sind diese Alternativen aus der Schanze mit ihren langen Harren und BIo Frass.
    Bio Frass ist in deutschland gar nicht möglich ihr Deppen alle Anbauböden wurden schon früher durch Pestizide und Kunstdünger verseucht… kapiert ihr das nicht…Bio ist nur eine Geldmaschine um euch die Kohle aus den Taschen zu ziehen

  10. radio

    hey rudi
    genau deiner meinung bin ich auch
    Hamburg ist der dünnschiss der nation
    menschen unfreundlich
    alle denken die sind die geilsten
    ooohh fuck wie gern würde ich hier mit bnen panzer durchballern und idese ganzen hurenh… überfahren

  11. Fata Karosserie

    Hamburg ist ganz und gar nicht Scheiße!Dein Scheiß Leipzig ist SCHEIßE!!!!

  12. Wikinger

    Hamburg ist – wie jede andere Großstadt leider auch – so RICHTIG SCHEISSE!!!! Was bekommen die Hamburger denn gebacken: Die „Elbdisharmonie“, die Fahrradunfreundlichste Stadt seit Jahren, die können nicht mit Geld umgehen, extrem auf Konsum eingestellt, und: Hamburg wird NIE das werden, was Berlin seit langem ist: Eine Weltstadt!!

  13. Gladius

    scheiss Hipster, sie haben Hamburg verkackt!!

  14. Sebatian Darmian

    In Hamburg leben nur Hipster Hip Hopper und arrogante Tussen.
    Seit Scholz an der Macht ist ist alles in Dauer Überwachung.Man hat gefühlte 1000 Puffs und nur eine Hure macht guten Service.Die Musiker sind selbstherrlich und untalentiert zB Revolverheld Fettes Brot Jan DelaY UND DAS SIND NUR DIE bERÜHMTEN!!!aLS Rockmusiker kriegt man keinen Sex in dieser von Massenmedien verblödeten Stadt.
    Die Leute gucken ein mit Hass in der S Bahn an.
    Fahr zur Hölle Hamburg aber lass mich vorher aussteigen!!!!

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