G+J greift tief ins Klo

tokamuwi/PIXELIO.DE

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Selten, wirklich sehr selten finde ich Themen, die ich so verbinde mit dem Titel unseres Blogs wie das, was ich eben gefunden habe.Gruner und Jahr startet mit einem neuen Format. Print natürlich. Ist ja auch die Zukunft.
Das Goldstück heißt „Business Punk“.


Was ich da heute lesen musste, als mich ein Kollege darauf stieß treibt mir auch jetzt noch mein Mittagessen die Speiseröhre hoch und ich möchte die G+J-Zentrale stürmen und herausfinden, wer dafür verantwortlich ist. Diesen dann einer „Taufe“ im nahegelegenen Klo unterziehen, auf dass er aufwacht.

Ein paar Kostproben aus „Leserschaft“:

Was wäre dieses Land ohne diese High Performer? Nichts. Und trotzdem fordert die Krise sie heraus, müssen sie ihren Lebensstil stets verteidigen, ihren Erfolg vor anderen rechtfertigen.

Naja, in jedem Fall nicht am Rande einer Krise. Schauen wir uns mal die genaue Zielgruppe an:

hofschlaeger/PIXELIO.DE

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Business Punks sind:
– Männer, die für ihren Job und ihr Leben brennen
– zwischen 25 und 39 Jahre alt
– häufig Unternehmensberater, Manager, Banker oder Juristen
– voller Visionen eines erfolgreichen Lebens
– sie verdienen ihr Geld, um es auszugeben

Well, yes. Also halten wir fest: es geht hier nur um Männer. Um hier nicht als Emanze durchzugehen, halte ich mich mal zurück. Ganz abgesehen davon, dass ich mich dann qua Geschlecht auch nicht peinlich berührt fühlen muss, weil irgend jemand bei G+J denkt, dass es irgendjemand aus meinem Milieu (in diesem Fall: meinem Geschlecht) gerecht werden würde, was da geschrieben wird.

Jetzt noch einmal kurz zurück zum Thema, wo wären wir, wenn es die High Performer (toller Begriff) nicht gäbe.

Unternehmensberater beraten Unternehmen, sorgen nicht selten für Entlassungen, retten aber auch manche Firmen. Wir wären wahrscheinlich arbeitslosenzahlenmäßig bei +/- 0.

Manager? Was managen die denn? Da ich selber einer bin, wage ich ebenfalls zu behaupten, wir wären im Status Quo, den zu bewahren der Hauptwunsch eines Managers ist.

Banker – ganz ehrlich? Spar ich mir mal!

Juristen – ähm, kein Kommentar.

Richtig schlimm wird es jetzt. Achtung:

Business Punks brauchen Selbstbestätigung. Sie brauchen Vorbilder und Tipps für ihre knappe Freizeit. Sie brauchen ein Zuhause für ihr Lebensgefühl zwischen Erfolgsmentalität und Hedonismus.

Fällt irgendjemandem auf, was hier fehlt zwischen Erfolgsstreben und dem, was hier so leichtfertig als Hedonismus bezeichnet wird? Anyone? Mein Mitleid hält sich in Grenzen, abgesehen davon, dass hier Themen wie Moral und Ethik verloren gehen.

Trotz der Schocktränen – gehen wir weiter und schauen auf die Zusammenfassung der Zielgruppe, die mir persönlich am meisten Spaß bereitet hat heute. Passt auf:

Unsere Zielgruppe – die Leistungselite der Generation XING

Die Tränen vor Lachen wichen aber wieder den Tränen des Entsetzens, als ich unter „Themenpläne“ folgendes vorfand:

Das Themenspektrum von BUSINESS PUNK gliedert sich in zwei Bereiche auf. Für die Erstausgabe sind folgende Themen in Planung:

Work
Anregungen für Job und Karriere mit spannenden Hintergrundgeschichten von erfolgreichen Managern, Unternehmern und kreativen Köpfen.

* Never mind the crisis – wie erfolgreiche Business Punks Geschäfte machen
* Notorischer Bastard: Warum alles neu erfinden, wenn Sie es auch klauen können – das Tarantino-Prinzip
* Die Karriere ist wie ein Fußballspiel. Manchmal sind taktische Fouls unerlässlich.

Play
Lifestyle, Abenteuer, Erotik und Gesellschaft mit praktischen Kurzinfos über wichtige Kultur- und Officethemen für den täglichen Smalltalk.

* Rock´n Roll: Fünf Freunde unterwegs im Bandtourbus
* Shaun White – das Businessmodell des besten Snowboarders der Welt
* Mode-Special „Business meets Punk“
* Mythos der sexy Sekretärin

Da ist sie ja, die Frau, dachte schon, man hätte sie völlig vergessen. Aber in diesem Weltbild findet sie doch ihren Platz – als Sekretärin, die lediglich Vorlage der Fantasien armer Existenzen ist.

Die Themen Moral und Ethik finden jetzt auch ihren Raum. In the Businesspunk-Way.

Sehr schöne Gedanken hat sich auch Ralf Schwartz in seinem Blog mediaclinique dazu gemacht. Unbedingt lesen, hier ein Auszug:

Besser wird es dann bei der eigentlichen Herkunft des Begriffes: „Das Wort Punk /pʌŋk/ aus dem Englischen ist älter, als oft angenommen wird. Es taucht bereits bei Shakespeare auf, z. B. in Maß für Maß, und bezeichnet eine Prostituierte.“

Hier wird Gruner natürlich etwas härter und schärfer im kritischen Ton, aber er ist notwendig, um die sich selbst Feiernden aus ihren Tagträumen zu rütteln! Sie müssen verstehen, daß sie im Grunde nicht mehr sind als „faules Holz. Allgemein bezeichnet Punk stets etwas Niedriges und Minderwertiges.“ Sie sind eben nicht die Elite, sie sind nicht wertvoll, und sie leisten auch keinen langfristig wertvollen Beitrag.

Gruner hält der Wirtschaftselite weiter den Spiegel vor. Nicht nur nach Gruners Meinung sorgen Manager für nichts anderes als die schnelle Befriedigung niederer Bedürfnisse: „Im Jargon der Landstreicher der Vereinigten Staaten des frühen 20. Jahrhunderts wurden mit „Punks“ unerfahrene, junge Landstreicher bezeichnet, vor allem solche, welche den älteren und erfahrenen Hobos sexuell zu Diensten waren.“

Ich hoffe, dass dieses Format schnell, ganz schnell, in der Tonne verschwindet, sonst habe ich den Glauben an diese Gesellschaft endgültig in die Ablage P zu legen.

Als Buchtipp zum Schluß: „Gestatten: Elite.“ von Julia Friedrichs. In diesem Buch kann man mal lesen, wie die sogenannten Business-Punks eigentlich gemacht werden.

Verständnisloser Gruß
kreativgeschwister

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6 Kommentare

Eingeordnet unter Allgemeines

6 Antworten zu “G+J greift tief ins Klo

  1. werbespott

    Ich verstehe deine Aufregung nicht.

    Du regst dich über die Publizierung eines Titels auf, weil Dir die Inhalte nicht gefallen?

    Was bitte ist mit Meinungsfreiheit? Ich lese auch nicht die Blitz Illu oder die Hörzu, aber ich verstehe das es Leute gibt, die das lesen gut finden und sich mit den Inhalten identifizieren.

    Zugegeben, die Themen sprechen mich auch nicht an, aber hey – jedem das seine. Das verstehe ich unter Offenheit…

    Warum echauffierst Du dich darüber, das sie als Zielgruppe Männer in höheren Positionen definiert haben? Mens Health spricht doch eine ähnliche Zielgruppe an?

    Oder störst Du dich am Begriff „Punk“, der Deiner Meinung nach in diesem Zusammhang nicht hingehört?

    • Ich echauffiere mich über 3 Dinge:

      1. Men’s Health ist, wie der Name schon sagt, eine Männerzeitschrift. Keine Frage. Business Punks impliziert aber, dass nur männliche Manager/Unternehmensberater/Banker/Juristen karrierefixiert sind (aber wie schon geschrieben, dann lass die Frauen da raus, muss ich mich nicht mitschämen.) Wenn dann aber die Frau nur als erotische Fantasie Platz findet und ein Frauenbild vermittelt wird, dass zumindest ich in der Finanzbranche jeden Tag um die Ohren geschlagen bekomme, dann nervt mich das, ja!

      2. Allein der Begriff „Leistungselite“ in Zeiten, in denen ja wohl unstrittig bestimmte Berufsgruppen die Folgen ihrer Fehler auf die Schultern aller, nur nicht ihrer eigenen, Schultern verteilt haben, lässt mir Gänsehaut über den Körper jagen.

      3. Die Mitleidsschiene: „Was wäre dieses Land ohne diese High Performer? Nichts. Und trotzdem fordert die Krise sie heraus, müssen sie ihren Lebensstil stets verteidigen, ihren Erfolg vor anderen rechtfertigen.“ ist nur blanker Hohn…

      Versteh mich nicht falsch. Ich hab das alles glaube ich auch schon oben geschrieben und ich finde, das hat auch nicht zu bedeuten, dass ich gegen die Meinungsfreiheit bin. Die hat damit auch nichts zu tun. ich verbiete den Titel ja nicht.

      Aber es wird doch wohl erlaubt sein, sich kritisch damit auseinanderzusetzen und zu hoffen, dass so ein Müll (und das darf ich aus meiner Meinung heraus sagen) keinen Anklang und keine Leser findet.

      • werbespott

        Ich persönlich finde der Zeitschrift „InStyle“ sollte man einen gepfefferten Leserbrief schreiben. Sie richtet sich ausschließlich an junge, Modebewußte Frauen und impliziert damit, das Männer kein Modebewusstsein hätten.
        Das schlimme an dem Fall ist, das die Zeitschrift schon seit Jahren erfolgreich am Deutschen Markt vertreten ist. Ich bin entsetzt. Sprachlos. Ich muss würgen.

        Versteh mich bitte nicht falsch, wir kommen überein, so denke ich, wenn wir die Zielgruppe von „Business Punks“ in die Schublade „Arschgeigen“ stecken.

        Ach, whatever.

  2. Fab

    naja nen bischen ekelig ist das magazin schon.

  3. lebambi

    Eklig ist nicht der richtige Ausdruck.
    Anbiedernd, verwechselbar und trauriger Weise schon wieder ein Beweis dafür, dass es eine Abgrenzung so nicht mehr gibt.

    Punk´s dead hiess es in den 80ern, nun kehrt er als Business Zombie wieder.

    Genau so ekelhaft wie jedes Revival, wo sich meist Menschen feiern, die eine bestimmte Zeit nicht er- oder ausgelebt haben.
    Nun also eine Symbiose aus Business und Punk, was soll man da sagen?

    Demnächst dann eben „Schwule Faschos“, „Gucci Nutten“, „Koks Police“ oder „Political Intelligence“, Gegensätze ziehen sich an und im Fall von Gruner vielleicht sogar Reichweitende Kreise.

    Gäbe es einen journalistischen Gott, die Hölle wäre so voll, dass schon seit Park Avenue wegen Überfüllung geschlossen wäre, so what.

    Nicht kaufen und zusehen, wie die Elite, die lebt um zu konsumieren (in den Sinusmillieus übrigens Kennzeichen der Konsummaterialisten, nicht der Elite) es genau so tun, weil die zum wichsen pornhub.com, für Sport die BILD und für das große Geld Aktien der Deutschen Bank haben.

    Traurig zu sehen, was manche unter Qualitätsjournalismus verstehen.

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