Wir sind das Volk

20 Jahre!!! Unglaublich, es ist 20 Jahre her, dass die Mauer gefallen ist. Dass nicht David Hasseldoof dafür verantwortlich war hat er inzwischen selbst eingesehen, Kohl, Bush sen. und Gorbatschow hatten einen rührenden Auftritt und jeder, der sich erinnern kann freut sich über ein bedeutendes Jubiläum Aber wie haben WIR das Ganze empfunden?
Ein kleiner Erfahrungsbericht.

Onkel Tukka@pixelio.de
1989 war ich 8 Jahre alt. Ich war in der zweiten Klasse einer gut bürgerlichen Grundschule, deren Sandsteinmauern mir neben Elternhaus die Welt boten.
Dort hatten wir wenig bis gar nichts über unsere „Nachbarn“ des anderen Deutschlands gehört, oder die letzten 20 Jahre und einige Erfahrungen mit mehr oder weniger bewusstseinserweiternden Drogen haben diese Infos gelöscht.
Aber ich erinnere mich, wie ich nach Hause kam und meine Mutter weinend vor dem Fernseher sass. Ich war erschrocken, denn meine Mutter weinte für mich immer nur, wenn jemand aus der Familie gestorben war. Das für mich weiterhin erschreckende war, dass sie trank. Ja, es war ein Glas Sekt, aber für mich damals war Alkohol etwas, das sich auf Parties meiner Eltern beschränkte. Einfach so wurde bei uns nie getrunken.

Der Fernseher lief und eine Mauer war verschwunden. Nicht leicht so etwas zu verstehen, wenn auf dieser „verschwundenen“ Mauer Tausende Menschen stehen. Für mich war diese Mauer nicht weg und sooo beeindruckend fand ich die Bilder im Fernsehen nicht. Meine Mutter schon. Sie holte mich zu sich, war sehr gerührt und freute sich ganz offen und emotional über diese Wiedervereinigung. Ich denke rückblickend, dass wirklich erst an diesem kalten Novemberabend alle wussten, dass die DDR der Geschichte angehörte. Vermutlich haben sogar die Verantwortlichen erst in diesen Stunden, dass sie gesiegt, bzw. versagt hatten. Aber die waren mir egal. Bonn, dieses gewichtig klingende Politzentrum, Kohl, der große dicke Kanzler, UDSSR und Gorbatschow, waren bekannte Worte, aber sie waren abstrakt. Greifbar war die feierliche Stimmung zu Hause. Mein Vater versuchte herauszufinden, wo unsere Verwandten im Osten jetzt waren. Meine Brüder waren 5 und 2 Jahre alt. Und plötzlich war die Familie größer. Wir hatten neue Onkel und Tanten. Leider keine Cousinen und Cousins, aber das war zu verkraften.ThomasNestke@pixelio

Interessanter Weise gab es sogar in meinem Mikrokosmos schon am nächsten Tag zwei Meinungen. Die einen waren froh, ihre Eltern sahen die Wiedervereinigung genauso positiv, wie meine Familie. Die anderen hatten die selbe Angst, die sie von ihren Eltern zuvor schon bzgl. der „Ausländer“ geimpft bekommen hatten. Es stellten sich Schauerszenarien dar. Arbeitslosigkeit, Raubzüge, Wohnungsmangel… Nichts davon ist in dem ausgemalten Maß eingetreten. Aber wie sehen wir die Wiedervereinigung heute, 20 Jahre nach dem „Fall of the wall“, den Guido Westerwave zu Recht als sein einschneidendes Erlebnis der deutschen Nachkriegsgeschichte bezeichnet?

Man kann in diesen Tagen kaum den Fernseher anmachen (also abgesehen von den Verblödungsmedien RTL, SAT 1, RTLII etc.) ohne, dass wichtige und/oder unwichtige Menschen ihre Erlebnisse wieder aufblühen lassen. Verschiedene Sender haben ihre Outdoorspinner auf Reisen geschickt, so dass es auf der ehemals deutsch-deutschen Grenze momentan etwa so viel los sein dürfte, wie auf der A7 zu Beginn der der Sommerferien. Jeder, der zu diesem Zeitpunkt mindestens 20 Jahre alt ist, hat etas zu erzählen. Manche „klugen“ Köpfe, die weit älter sind tuen das gerade in alle möglichen Kameras, aber wie war das für euch? Haben eure Eltern rattenvoll auf den Strassen getanzt? Habt ihr im Trabi auf dem Weg in den Westen gesessen? Limbo auf der Mauer? Urlaub in Bulgarien? Ich freue mich auf Beiträge, die UNSERE Geschichte erzählen.

Neben den Kommentaren werde ich evtl. wenn ich wieder fit bin auch mehr aus meinem kleinen Poesiealbum namens Leben heraussuchen und wir haben auch noch einiges mehr in Peto, aber jetzt seid ihr dran:

LeBambi

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Ein Kommentar

Eingeordnet unter Gesellschaft, Politik

Eine Antwort zu “Wir sind das Volk

  1. Flotzge

    Moin,
    als die Mauer fiel, war ich acht Jahre jung, ich war in der Grundschule und hatte eine ältere, jedoch rüstige Lehrerin.
    In meinem Leben gab es damals Fahrrad fahren, Spielzeugautos, einem Ball hinterher rennen und die grünen Wiesen um mein Elternhaus herum … Ehrlich gesagt, an den Mauerfall erinnere ich mich nicht. Ich wüsste auch nicht was meine Familie damals gedacht hat, aber ich nehme den Beitrag als Anstoss um da mal nachzuhaken …

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