Goooood Morning Medien!

Der totale Informationsschock jeden Tag. Wenn ich jedes meiner Social Community Portale gewissenhaft lesen und pflegen würde, müsste ich meinen Job an den Nagel hängen. Der hat übrigens auch was mit diesen ominösen „Medien“ zu tun, also nehme ich mir das Recht raus mal eben eine Bestandsaufnahme zu leisten.

Hallo zusammen,

Der spöttische Beobachterkürzlich bekam ich einen Link mit einem mehr oder weniger ulkigen Comedian, der sich mal eben über die IMM auslassen wollte.
Wenn ihr euch den Film angeschaut und gelacht habt, dann macht ihr nichts mit Medien. Denn so sieht das Leben leider nicht aus. In Wirklichkeit muss man zumindest einen an der Waffel haben, wenn man in der Branche arbeitet, im schlimmsten Fall sogar masochistisch veranlagt sein. Ich z.B. wusste einfach nicht, was ich machen soll. Auf die Frage an Freunde und Bekannte, wo sie mich sehen hieß es neben Autoverkäufer meistens: „Irgendwas mit Medien“.
Prima hab ich gedacht, das grenzt das Ganze doch ein…

8 Jahre später sitze ich in ner Werbeagentur und bin immer wieder erstaunt, wie viel schlimmer Dinge werden können. Dann träume ich vom Journalismus, der Filmbranche, dem Radio oder dem Internet. Und dann lese ich Zeitung, Branchenblätter, spreche mit Menschen aus „den Medien“ und stelle fest, dass neben dem Schreckgespenst Arbeitslosigkeit vor allem eines in der gesamten „Medien“-Branche mehr als nur ähnlich ist. Die Bedingungen.
Für alle, die nicht „in den Medien“ arbeiten:

Das Bild, dass von unserer Branche durch GZSZ, Anna in Berlin, etc. vermittelt wird ist falsch. Nicht einfach nur fernsehtauglich überzeichnet, wie z.B. das Thema Homo-Ehe, oder Terrorismus in der Lindenstraße, nein einfach falsch. Ich kennen ne Menge Leute, die froh wären, wenn ihr Alltag aus Meetings, Latte Macchiato und 3-stündigen Mittagspausen bestehen würde, aber das geht höchstens als freier Mitarbeiter – und die verdienen in der Zeit dann kein Geld.
Auch das ganze Getue um Koks, Nutten, Firmenjets und langes Ausschlafen sind schlicht falsch. Und zwar nicht nur bei uns schmutzigen, bösen Werbern, nein, auch im Journalismus, den Sendeanstalten, Filmproduktionen und und und. Klar, wir fangen (teilweise) erst um 9, halb 10 an zu arbeiten, aber die meisten sitzen dann auch mind. bis 9, halb 10 (Abends) für diesen „Luxus“.

Das Problem ist, dass man all dies in Kauf genommen hat, als man sich für diese Jobs entschieden hat. Aber nicht zu diesen Preisen. Schauen wir uns in den nächsten Tagen ein paar Beispiele an, was in der Welt der innovativen, investigativen, oder zumindest kreativen Medienmachern so abgeht:

Beginnen wir mit den Investigativen, den Journalisten. Der größte Feind des Journalisten ist der Analyst (wie übrigens überall, wo kreative Arbeit in kalkulierbare, standartisierte Prozesse unterteilt werden soll). Denn es geht jetzt nicht mehr wirklich darum, Themen zu recherchieren, oder Geschichten zu entwickeln, es muss vor allem schnell gehen und sich verkaufen. Entsprechend schwer haben es die Brüder (und Schwestern) bei den Nachrichten. Wenn man in den good old days noch Zeit hatte ein Thema zu entwickeln, dieses zu recherchieren, gegen zu prüfen, auszufeilen und dann zu veröffentlichen, reicht die Zeit heute maximal noch für zwei dieser Tätigkeiten. Jetzt schaut sich jeder die Liste noch mal an und überlegt auf welche Bestandteile er verzichten könnte.

"Zeitungsente" © Ernst Rose @pixelio.deSo wundert z.B. folgende Meldung nicht: Eine Montage aus einem tatsächlichen Tagesschau-Bericht und einer Fakemeldung zu den Ambitionen des Sarkozy-Sprosses Jean wurde ungeprüft als Nachricht verbreitet. Wen wundert es da, dass die Medienaufsichtsbehörde ein Sanktionsverfahren einleitet? Da hat die Zeit zum prüfen gefehlt!

Aber warum ist das so? Dreht sich die Welt der Informationen zu schnell? Ist die digitale Vernetzung evtl. langsamer als die veralteten Ticker-Meldungen? Nein.
Das Problem ist, dass den Redaktionen (oder eher den Verlags- und Senderchefs) die Kosten für Nachrichten zu hoch sind. Die Kosten, bestehen aus Arbeitszeit, Fixkosten und Spesen, sind nicht vereinbar mit den Gewinnzielen der Aktionäre. Geld verdient sich eben am schnellsten, wenn es schnell verdient ist. Klingt irgendwie logisch.
Und das (zumindest für mich) jüngste Opfer ist der Nachrichtensender N24. Dort hat der N24-Chef Torsten Rossmann seinen Mitarbeitern mitgeteilt, dass zukünftig am Budget für „echte“ Nachrichten gespart wird und statt dessen vermehrt Dokumentationen eingesetzt werden sollen. Die sind billiger, weil einmal produziert jederzeit recyclebar.

Bitter, weil ähnlich wie das für Musik stehende M bei MTV dann auch das für Nachrichten stehende N bei N24 in Frage gestellt werden muss. Auch und besonders für die Journalisten beim Sender, denn die werden wohl bald wieder bei Xing und in der FAZ nach neuen Jobs suchen.
Aber nicht ohne Gegenwehr. Und Recht hat er, der Betriebsrat. Nur weil Sendechefs und Programmdirektoren mit halbgaren Konzepten und unsympathischen Leistungsträgern á la Pocher rumexperementieren kann man doch nicht diejenigen vor die Tür setzen, die ihren Job ernsthaft betrieben haben, oder?
Vermutlich kann man.

Also bleibt dran, wenn einer auszieht sich mal gepflegt auszukotzen.

In diesem Sinne, wer etwas wichtiges zu sagen hat, schreibt einfach nen Kommentar.

Le Bambi

P.S. Kam eben rein: Auch bei Bauer werden munter Stellen gestrichen.
P.P.S. Da bin ich ja froh, dass wir mit diesem Blog nichts verdienen, sonst gäbe es irgendwann die Kostenschraube 😉

Advertisements

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Allgemeines, Journalismus, medien, Satire

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s