Des einen Freud, des anderen Biografie

Was riecht hier so?Kai Diekmann, Propagandaminister der „Volkspresse“ hat mal wieder ein Buch rausgebracht.
Da es selbst für den Volksverdummer Nr. 1 eine Frage der Ehre ist, erst dann eine Autobiografie zu schreiben, wenn selbst Marcel Reich Ranicki die BILD zum Frühstück liest, musste es eben ein Buch über jemand anderes werden. Wer liegt da näher als Spezl Kohl?

Hallo Leute,

Man kann ja einiges NICHT über Diekmann sagen, dass er ein Sympath sei, oder ein Journalist. Aber eines muss man ihm lassen, er hält sich nicht nur seine Feinde näher, sondern auch seine Freunde nah.
So wundert es vor allem MICH nicht, dass die neueste Mehrseiten-Schmonzete, an der Diekmann mitgearbeitet hat, ausgerechnet unsere ehemalige Bundesbirne Helmuth Kohl zum Helden des Alltags ernennt.

Unter dem Titel „Ich wollte die Einheit“ erscheint also nun ein 436 seitiger Staubfänger, der erklären soll, wie die Ära Kohl es trotz massiver Bemühungen nicht geschafft hat die Wende zu verhindern und dies auch noch opportunistisch als Leistung zu verkaufen.
Und wie sollte es anders sein in unserem schwarz-gelben Bienenstaat? Wenn die Königin brummt, klatschen die Drohnen brav und euphorisiert in die Hände. Lobhuddelei Ob „Und alle so Yeahh“-Angie wohl die Parteigenossen auf Amazon angesetzt hat, damit dort jeder treue Kamerad dem alten General subtil die Stange hält?
Immerhin hat man aus der Zensursula Affäre ja gelernt und weiß inzwischen evtl. sogar, was ein Browser ist und, dass das Internet „nicht nur böse ist!“.

Interessant finde ich auch, wer an diesem Buch alles mitgeschrieben hat.
Klar, Kohl selbst. Wer sonst könnte objektiv genug die Vergangenheit aufarbeiten?
Diekmann haben wir schon erwähnt, der ehemalige Kohl-Trauzeuge kann dann die letzten Feinheiten zurecht biegen, wie die Headlines und Geschichtchen im eigenen Blatt.
Und zu guter Letzt Ralf G. Reuth. Wer? Na Ralle G. Reuth, der schon andere wichtige Ereignisse und Persönlichkeiten skizziert hat, wie zum Beispiel Joseph Goebbels, oder Hitler, oder Manfred Stolpe.
Scheint also ein Triumvirat der Geschichtsspezialisten zu sein, die auf jeden Fall ein Buch schreiben sollten, welches die jüngste Vergangenheit wahrheitsgemäß unterhaltsam für die Nachwelt dokumentiert.

Nachdem ja Diekmann-Chef Matthias Döpfner gezeigt hat, wie „uneinsichtig“ die 68er sind, wenn es darum geht die druckerschwarze Weste der BILD-Zeitung reinzuwaschen, muss jetzt der nächste politische Meilenstein im Hause Springer gefeiert werden (immerhin ist es ja „the fall of the wall“ auch für Guido Westerwave der wichtigste Moment Deutschlands).

Ich jedenfalls werde das Buch erst in der 2. Auflage kaufen. Dann wenn die Kinderkrankheiten wie zum Beispiel der Titel („Ich wollte die Einheit verhindern, aber der Bolschewik war stärker, also hab ich gute Miene zum bösen Spiel gemacht und es als meinen Verdienst dargestellt“) und die kleinen Passagen des Lobgesangs ausgemerzt sind.

In diesem Sinne, Papier ist geduldig, aber ich hab den längeren Atem!

LeBambi

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Ein Kommentar

Eingeordnet unter Gesellschaft, Journalismus, medien, Satire

Eine Antwort zu “Des einen Freud, des anderen Biografie

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