Gute Freunde kann niemand trennen…

Wenn einer eine Reise tut ist er nicht gern allein.
So oder so ähnlich sieht es der Volksmund und scheinbar auch Herr Westerwelle.
Westerwelle, Westerwelle, wer war noch mal dieser Westerwelle? Ach ja, der Mann, der die Gastronomen mit niedrigen Steuersätzen entlasten und die Hartz IV-Empfänger zur Zwangsarbeit verpflichten will.

Wunderschönen juten Bon Giorno wünsch ick,

da ich ein paar Jahre lang einen Teil meines hart verdienten Geldes nicht nur in sämtliche Kneipen Hamburgs getragen, sondern zu einem nicht geringen Teil auch in das Sozialsystem eingezahlt habe, beziehe ich aktuell ALG I. Das ist etwas anderes, als das ALG II, auch bekannt als das (nach dem „Koks und Nutten für meine gudde Freinde“ Personalvorstand der Volkswagen AG – Peter Hartz) benannte Hartz IV.
Einer der Hauptvorteile bei ALG I ist, dass unsere Bundesschwester Guido mich nicht zum Schneeschippen im März verdonnern kann. Ein anderer, dass ich mit meinem Geld hinkommen werde, anders als mancher Hartz IV-Empfänger. Und das ist keine Häme, sondern traurige Wahrheit.

Westerwave als topaugebildeter Rechtswissenschaftler hat sich in den vergangenen Wochen bei einigen Menschen unbeliebt gemacht, indem er teilweise richtige Äusserungen derart falsch dargelegt und leider auch gemeint hat.
Nehmen wir beispielsweise die folgende Aussage: „Wer arbeitet muss immer mehr verdienen, als wer bis Mittags ausschläft“.
Prinzipiell ist das natürlich richtig, aber leider hinkt die angeschlossene Überlegung etwas. Denn wenn man sich einmal Beispiele für diese Aussage sucht, dann ist es nicht die Verantwortung der Hartz-Empfänger, dass sie „mehr“ haben, sondern die der Wirtschaft und (da sich die Freunde der Parteien ja inzwischen in regelmäßiger Häufigkeit in eben diese einmischen) auch die der Politik, dafür zu sorgen, dass sich Arbeit lohnt.
Wenn also Unternehmen derart niedrige Löhne zahlen, dass man unter dem Existenzminimum liegt, müssen diese abgestraft werden und nicht die Schwächsten der Gesellschaft.

Oder folgendes: „Wer das Volk anstrengungslosen Wohlstand verspricht, der lädt zu spätrömischer Dekadenz ein!“
Guido, Guido, Guido (stellt euch bitte vor, wie ich gerade ungläubig den Kopf schüttele), das ist doch in jeder Hinsicht falsch.
1. Hat niemand anstrengungslosen Wohlstand versprochen (selbst Norbert Blüm hatte nur die Rente als gesichert versprochen und das ist wohl kaum Wohlstand).
2. Hatt Richard David Precht zu Recht in der Anne Will-Sendung vom 28.02. darauf hingewiesen, dass wir längst eine spätrömische Dekadenz haben, da sich diese Epoche dadurch auszeichnete, dass eine herrschende Kaste einen gehobenen Lebensstandard auf Kosten der weniger privelligierten Masse an Bürgern und Sklaven hatte.
3. Herr Westerwelle sind Sie es gewesen, der von jeher nicht einmal mit der Wimper zuckte, wenn es darum ging so genannten Besserverdienern Gefälligkeiten zu erweisen. Zumal die FDP sich früher auch gerne dank Herrn Hoyer als Partei der Besserverdiener bezeichnen liess.

Halten wir also fest, dass diese Aussagen, wenn auch evtl. in ihrem Kern richtig, so doch aus den falschen Beweg- und mit den falschen Hintergründen geäussert wurden. Schlimm genug, dass der stellvertretende Kanzler und Außenminister Deutschlands sich in solch einer Form gegen die wirklich hilfsbedürftigen Bürger seines eigenen Landes stellt, erhält er auch noch Rückendeckung von der angeblich sozial ausgerichteten Opposition.
Hannelore Kraft, ihres Zeichens stellvertrenden SPD-Vorsitzende fordert Hartz IV Empfänger zum Sozialdienst auf.

Schneeschippen* mit Guido, Altenpflege mit Hannelore.
Was wird das für eine tolle Zeit in Deutschland!?!

Und alles vor einem völlig falschen Menschenbild. Denn wenn man so hört, was da geäussert wird und gelegentlich zwischen den Zeilen liest, könnte man meinen, Hartz IV Empfänger schlafen ausnahmslos bis 12, schauen dasnn geschlossen Unterschichten TV wie Big Brother, keulen sich dann mit Billo-Pils von der Tanke weg und gehen rechtzeitig wieder schlafen. Natürlich komplett entspannt, weil Hartz IV ja so hoch bemessen ist, dass man gar nicht mehr weiß, wohin mit dem Geld.

Hanne, Guido, kleiner Vorschlag: Ihr nehmt euch mal nen Monat frei, könnt sogar gerne bis 12 Uhr ausschlafen und erhaltet den Regelsatz.
Ohne Vertretung zu suchen, oder erreichbar zu sein.
Mal sehen, wie gut ihr mit dem Geld hinkommt und wie leicht euch der Wiedereinstieg fällt!!!
Oder ihr haltet einfach das Maul, hört auf eure beschissenen Umfragewerte durch polemische Propaganda (das ist mein Job) zu polieren und sucht nach Lösungen. Arbeit muss sich lohnen, als schnappt euch mal eure Spenderfreunde und redet mal ein ernstes Wörtchen mit denen, anstatt immer wieder mit aktionistischen Parolen gegen sozial Schwache zu mobilisieren.

In diesem Sinne, der Blick über den Tellerrand erweitert gelegentlich den Horizont!

Le Bambi

* Apropos Schneeschippen und Verallgemeinerung: IHR Politiker lasst dafür ja auch gerne auf Steuergelder jemanden kommen, nech?
P.S. Sollte jemand von euch einen Job als Berater, Texter, Projektleiter etc. haben, rettet mi9ch vor Guidos strengem Auge, ich bin für jeden Tipp dankbar!

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Ein Kommentar

Eingeordnet unter Gesellschaft, Politik

Eine Antwort zu “Gute Freunde kann niemand trennen…

  1. Schade, dass das Video rausgenommen wurde. Ansonsten ein lesenswerter Artikel!

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