Eine schrecklich nette Familie…

Familienteilzeit, Elterngeld, Väterzeit… Die Schlagworte geistern aktuell durch alle Medien und da zum Thema „Nachwuchs“ die Einschläge immer näher kommen, wollen wir uns das Ganze doch mal genauer anschauen.

Hallo zusammen,

Stolzer VaterGerade erst habe ich auf Facebook wieder 2 Babyfotos von Freunden gesehen.
Niedlich die Kleinen, das muss ich schon sagen, aber wie machen die das? Ich meine nicht das Kinderzeugen, das hab ich inzwischen weitestgehend verstanden, sondern wie managen Leute in unserem (oder meinetwegen meinem) Alter Job, Beziehung, Familie? Ich schaff es nicht mal regelmässig zum Sport, geschweige denn all die Menschen zu treffen, bei denen ich mir das schon ewig vornehme.
Jobtechnisch wird es auch anspruchsvoller, also noch weniger Sport (was in meinem Fall „Negativ-Sport“ bedeutet, denn noch weniger geht nicht), noch weniger Freunde treffen (an dieser Stelle schon mal Sorry Sebi, Mad, Ali, Sönxen und all die anderen, ich mach´s wieder gut). Wenn ich also irgendwann 270 Kilo schwer bei einem 10 Minuten Heimweg-Bier mit einem von euch zusammensitze, bleibt mir vielleicht noch Zeit, mir auszumalen, wie das mit Job, Freizeit und Kindern wäre.
Hierzu habe ich eine interessante Sache von einem Freund gefunden. Matthias von Trendquest veranstaltet regelmäßig die „Zukunftskonferenz“ zu verschiedenen wirtschaftlich-, politisch-, gesellschaftlich-relevanten Themen. Und siehe da, da nächste Thema ist „Familie, Kinder, Job… Partner Gesellschaft?“ am 23.04. und klingt extrem spannend. Es soll um die Chancen für Wirtschaft und Gesellschaft gehen, so diese denn auf das Thema Familie eingehen. Da ich mich ja gerade beruflich gerade neu ausrichte und die Familienplanung auch nicht mehr so weit weg ist, werd ich mir das Ganze wohl mal ansehen. Denn eines ist nicht zu leugnen: Kinder sind was wundervolles und sollten nicht nur unter dem Aspekt der Karriereverträglichkeit in Betracht gezogen werden.

Leider bekommt man, wenn man sich umsieht, nicht unbedingt einen Eindruck der familienfreundlichen Atmosphäre. Ich hab mal versucht den Kinderwagen einer Frau in den Bus zu heben… Als die Bustüren sich um meinen Torso schlossen, der Kinderwagen zwischen den mittig angebrachten Handläufen verkeilt und die ersten Fahrgäste in verschiedenster Sprache ungehalten wurden, war mir klar, dass das unter der Kategorie Alltags-Abenteuer abzuspeichern sein wird. Kleines Memo an mich, eventuell in ferner Zukunft geplanten Kinderwagenkauf von den Abmessungen alltagsüblicher, öffentlicher Verkehrsmittel abhängig machen. Aber das Problem wäre ja noch zu umgehen. Viel interessanter ist es doch, sich anzusehen, was passiert, wenn die Menschen berufstätig sind und „plötzlich“ Eltern werden. Wie reagieren Arbeitgeber, wie supporten Sie die werdende Arbeitskraft und deren Erzeuger? Was machen deutsche Firmen, um ihre heranwachsenden Kunden und deren Taschengeldgeber unter die Arme zu greifen?

Nehmen wir einmal z.B. ein Unternehmen, das die Zeichen der Zeit erkannt hat – die Wichtel-Akademie. Mit derzeit 5 Standorten in München und Dresden und Bundesweit mehr als 5 weiteren geplanten Einrichtungen, will das Unternehmen Firmen die Möglichkeit bieten, ihren Mitarbeitern einen Kita-Platz anzubieten. Die Argumente richten sich entsprechend an Unternehmen, nicht an Eltern: „Vorteile für das Unternehmen“, „Auswirkung auf das Personal“ und „Ihr Ersparnis bei“ lauten die Überpunkte und es fällt nicht schwer, die Argumente als Fakten glauben zu wollen.

Oder nehmen wir als Negativ-Beispiel, was passiert, wenn Kinder (aus welchen Gründen auch immer) als Belastung und nicht als Chance, als Problem und nicht als Geschenk betrachtet werden. Hierzu wird auch auf der „Zukunftskonferenz“ Wolfgang Büscher (Pressesprecher Arche e.V.) referieren. Die Arche unterstützt einen Teil der 2,5 Mio. Kinder und Jugendlicher, die in Deutschland unter der Armutsgrenze leben. Oftmals erfahren die Kinder nur und erst dort, was es heißt eine regelmäßige (warme) Mahlzeit einzunehmen, wie sozialer Kontakt funktioniert und was es heißt, geschätzt zu werden.

Oder hier: Über einen Artikel bin ich auf die Zahl von 39 Firmen-Kitas in NRW gekommen. Da schätze ich mal ganz unfundiert und grob drauf los, dass entsprechend vielleicht 450 Firmen-Kitas bundesweit vorhanden sind. Wenn man dem einen Betreuungsumfang von ebenfalls geschätzten 70 Plätzen zugrunde legt (450 x 70 = 31.500) und weiß, dass es in Deutschland über 15.000 Aktiengesellschaften gibt und allein in den Top 100 Unternehmen in Deutschland über 50 mehr als 30.000 Mitarbeiter beschäftigen, ist das selbst grob und nur für diese Unternehmen gerechnet ein Verhältnis von 1:0,2.
Also kann nicht mal jeder 5. sein Kind in einer Unternehmens-Kita unterbringen. Aufmerksame Leser werden jetzt feststellen, dass ja auch nicht jeder Mitarbeiter Kinder bekommen möchte. DAS ist natürlich richtig, aber ich hab ja auch schon etliche Unternehmen rausgelassen und die Mitarbeiterzahl auf 1.000 beschränkt. Die Deutsche Post beschäftigt z.B. über 475.000 Mitarbeiter!

Hinzu kommt, dass vereinzelte Vorschläge seitens der Politik, wie man das Eltern-Dasein in Deutschland attraktiver (zumindest weniger anstrengend) gestalten könnte, von eben jener auch gleich wieder aus Kostengründen verworfen werden. So hat unser ehemaliger Überwachungs-Minister Dr. Wolfgang Schäuble den Vorstoß der eigenen Partei seitens Kristina Schröder abgeschmettert, mit der Begründung, die Mehrkosten von 250 Mio. Euro stünden im Konflikt mit den geplanten Einsparungen von mind. 10 Milliarden Euro für das Jahr 2011.
Traurig, vor allem, wenn man bedenkt, dass für die Bankenkrise „problemlos“ Geld in Milliardenhöhe aufgetrieben wurde und eben diese Banken jetzt schon wieder Traumgewinne und Boni abliefern, oder Herr Ackermann, wie war das mit den 10 Millionen? Auch wenn Herr Ackermann am längsten und lautesten die Rettung von Banken verurteilt hat, das hat in meinen Augen nichts mit Gewissen zu tun. Wer sich so viel Geld bezahlt, hat kein Gewissen. Soziale Verantwortung liegt scheinbar unterhalb einer Einkommensgrenze von 60.000 jährlich…

Es scheint also noch ein weiter Weg zu sein, bis Unternehmen, Staat und Gesellschaft einen wirklich ausreichenden Beitrag dazu leisten, dass der geforderte gut ausgebildete Nachwuchs überhaupt in die Kinderschuhe hineingeboren werden kann.

In diesem Sinne, make kids, not credits…

LeBambi

P.S. Wer Interesse an der Zukunftskonferenz hat, kann sich direkt bei Matthias von Trendquest oder bei mir melden.

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Ein Kommentar

Eingeordnet unter Allgemeines, Gesellschaft, Politik

Eine Antwort zu “Eine schrecklich nette Familie…

  1. Alexander

    Neulich im Radio gehört, dass die Stadt Hamburg etliche Milliarden in eine Stadtbahn buttern will und weitere hunderte Millionen in unser tolles Prestigeobjekt Elbphilarmonie..um diese Kosten teilweise auszugleichen, sollen die KITA Gebühren um ca. 100 € erhöht werden, was für ein kleines Familienunternehmen wie wir es führen dann knapp 500 € monatlich bedeuten würde.
    Naja, meckern darf ich ja nicht, denn immerhin gibt es ganze 20 € mehr Kindergeld (entspricht 3,3 Packungen Windeln, also ca. 1 Wochenration..)….

    Weiterhin darf man jetzt keinen Kinderwagen mehr auf Rolltreppen befördern – kostet, wenn es stimmt jetzt sogar 15 € Strafe. Bedeutet das Mann/Frau minimum 50 % der Hamburger U-Bahn Stationen (um genau zu sein 53 von 89 Stationen) nicht mehr richtig nutzen kann, weil keine Fahrstühle vorhanden sind (weiß auch gar nicht wie Rollstuhlfahrer und Rentner mit Gehhilfen das machen..)d.h. wenn einem keiner hilft beim heruntertragen des Kinderwagens, hat man die Arschkarte gezogen. Hey, dann fahren wir doch einfach mit dem Taxi, weil noch so viel Geld im Monat über ist, oder wir wir gehen gar nicht mehr aus dem Haus..

    Mit anderen Worten wird es einem heute leicht gemacht, sich gegen das schönste auf der Welt zu entscheiden, nämlich unserem Nachwuchs, ohne den zukünftig gar nichts mehr los sein wird……

    Nun gut, ich bereue trotzdem nicht, dass wir uns für unseren Junior entschieden haben und sage fuck the system

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