Mut zur Tücke…

Vatertag ist vorbei und manch einer hatte sicherlich den wohlverdienten Katertag. Ich habe nichts gemacht, weil ich krank bin und meinem Vater auch nicht das von Apple empfohlene iPad geschenkt. Warum (abgesehen von Geld-Klammheit)? Weil ich das Ding doof finde, und dazu mehr…

Juten Bon Dschiorno miteinanda,

Da ick jerade die TAZ jelesen habe, brauch ick noch nen moment, bis ick dit berlinern wieder los bin, wa? Aber jetzt ist es soweit und ich würde mich gerne einer Frage widmen, die mich akkut beschäftigt.

„War´s das jetzt mit Print“?

Ich meine, natürlich lag die Zeitung morgens auf der Treppe meiner Freundin und im Briefkasten waren die Flyer vom Asia-Imbiss um die Ecke, aber jetzt mal so generell? Lösen technische Spielereien wie das iPad wirklich die Zeitungen ab? Lesen wir den Spiegel, Stern oder Focus wirklich nur noch am Laptop? Ist das Hörbuch die Alternative zum Hardcover? Was bedeutet das für die Gesellschaft, Industrie, MICH?
Hierzu gehe ich am 28.05. zum Zukunftsfrühstück von den Freunden von Trendquest, die sich ausführlich mit dem Thema beschäftigt haben. Ich freu mich drauf, weil neben leckerem Frühstück auch Referenten wie Karl-Friedrich Pomerenke con triboox und Matthias Heubach von heubach Medien da sein werden.
Abgesehen davon, dass ich ja eigentlich klassischer Print-Werber bin und entsprechend natürlich Online total daneben finde, stellt sich mir die Frage, wenn ICH alles online erledige, wie soll sich Print dann noch halten? Also mal abgesehen von Zeitschriften, gibt es ja auch Bahntickets, Briefmarken, Postkarten…
Und für all das gibt es Apps, Programme und Online-Alternativen.

Wenn man mal ehrlich ist, wird Papier niemals überflüssig, aber die Zeiten, als nichts ohne Papier ging sind definitiv vorbei. Viel schlimmer ist derzeit z.B. eine Ausfall der DNS DeNic-Server, wie am Mittwoch gesehen. Plötzlich drehen alle durch und sorgen sich um Existenz und Weltordnung. Oder wenn ein blöder Berg meint, er müsste ausgerechnet zur ersten Urlaubswelle ausbrechen… Arsch. Was haben die Menschen plötzlich gelitten, weil Flüge ausfielen! Da jedenfalls haben sich sicherlich einige Zeitschriften mehr verkauft, zumindest die BILD mit ihrem „Asche-Monster“ dürfte nicht schlecht gelaufen sein!

Zurück zu MIR. Ich mache Werbung, weil ich eh nichts anderes kann. Und als ich damals kurz nach dem Krieg damit angefangen habe Reklame für die Springer Presse und andere verwerfliche Dinge zu machen, sah es noch nicht so aus, als würden wir dabei jemals ein Problem bekommen. Und dann kam die Rache der Web-Blase. Web 2.0!!! Und plötzlich gehörte ich mit Mitte 20 zum alten Eisen. Gleichaltrige Ex-Nerds waren plötzlich wieder die Helden. Statt Flyer zu drucken, wurden Banner programmiert. Statt Katalogen Websites gebaut, statt Anzeigen gab es Landing-Pages und das abgefahrene: Alles war miteinander verknüpft. Soziale Netzwerke lösten die Business-Netzwerke wie Xing an der Spitze der Top-Sites ab und was früher nur unter vorgehaltener Hand im Freundeskreis erzählt wurde, war plötzlich Online für alle „Freunde“ sichtbar.

Die Industrie reagierte wie immer: Kurzsichtig. Alle Budgets wurden auf Online geschaufelt, nur die ganz konservativen blieben bei Print und nur die ganz umsichtigen besannen sich auf den im Studium gelernten Marketing-Mix. Es freuten sich die Flasher, HTMLer und alle, die eine 1 von einer 0 unterscheiden konnten. Doch schnell (schneller als jemals zuvor) entwickelte die Indistrie auch ein Preisgespür. Eines, dass nicht unbedingt realistisch war, aber immerhin. Homepages gab es inzwischen für 50 EUR, Banner als Abfallprodukt gratis dazu. Die aufstrebenden Online-Agenturen konsolidierten, oder gingen den Bach runter und noch ehe man wusste, wie alles geschehen war, war schon der neue heiße Scheiß da: Die Apps.

Vielleicht ist aber nicht allein die Verfügbarkeit einer Sache auch die Bedingung für Ihre Nutzung? Nur weil es eine Atombombe gibt, werfe ich sie doch auch nicht auf auslaufende Bohrlöcher. Und nur, weil man alles online machen kann, muss man das auch nicht. Und nein, es ist kein Abgesang auf die Online-Branche, ich selbst schreibe einen Teil dieses Blogs, bin bei Facebook, twittere und bestelle mir bei Amazon CDs. Aber eben auch Bücher. Und ich lese gerne ne Zeitung. Und schreibe Geburtstagskarten. Und notiere mir Telefonnummern auf Post-It´s.

Vermutlich wird sich der Medienmarkt immer weiter entwickeln, vielleicht sogar amplitudisch und Print ist bald wieder groß? So oder so, ich bin gespannt, wohin uns das Ganze führt.

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Ein Kommentar

Eingeordnet unter Allgemeines

Eine Antwort zu “Mut zur Tücke…

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