Wer ohne Schuld ist…

Während die Love Parade von den tragischen Umständen überschattet wurde, die zum Tod von 19 Menschen und mindestens 342 Verletzten führte, überschattet die mehr als fragwürdige Einstellung von Eva Herman eine interessante Fragestellung. Wer hat Schuld an der Katastrophe?

Hallo zusammen,

ja, auch ich habe mich auf Frau Herman eingeschossen und damit in verschiedenen Foren für neue Feinde, viel Traffic auf unserer Seite und einiges an Erkenntnis meinerseits gesorgt. Ich gebe zu, dass ich es mir erst einmal sehr einfach gemacht habe, denn Frau Herman bietet glücklicherweise einige Angriffsfläche, dazu an anderer Stelle mehr. Aber vielleicht ist es jetzt an der Zeit (und da spreche ich erst einmal für mich), sich zu fragen, wie konnte es dazu kommen, wer trägt die Verantwortung?

Diese Frage kann nicht von Hobby-Bloggern gelöst werden, so viel werden wir wohl alle verstehen, aber man kann versuchen zusammenzufassen, was so alles passiert und in diesem Fall schief gelaufen ist. Fangen wir einfach mal an.

Zuständig für die Veranstaltung selbst sind die Firma Loveparade GmbH, die Investoren/Sponsoren wie z.B. myvideo.de, RTL II und vieler weiterer, die nachvollziehbarer Weise nicht mehr genannt werden wollen und bei einer oberflächlichen Recherche auch nicht ausfindig gemacht werden konnten. Durchgewunken wurde die Veranstaltung von der Duisburger Stadtverwaltung durch das zuständige Ordnungsamt. Aber hier gibt es die ersten Ungereimtheiten. Denn laut einem Artikel auf dem Portal des Kölner Stadtanzeigers, wurde diese Genehmigung erst Samstag morgen erteilt. Die Stadt scheint extremem Druck von aussen nachgegeben haben. Die Love Parade 2010, die eigentlich als beispielhafte Großveranstaltung dem Prestige der Stadt Duisburg als Veranstaltungsmetropole dienen sollte war also selbst Freitag noch nicht genehmigt. Es wundert also nicht, wenn an anderer Stelle von „im Vorfeld bemängelte(n) Sicherheitslücken“ die Rede gewesen sein soll. Laut einem Bericht des Spiegels, habe die Polizeidirektion von Duisburg intern Pläne entwickelt, wonach bei einem (zu erwartendem) erhöhten Reiseaufkommen Pläne zum tragen gekommen wären, diese Besucherströme auf andere Wege umzuleiten.

Unnötig zu erwähnen, dass diese Pläne deutlich mehr Polizeikräfte erfordert hätten. Wen wundert es also, dass die Pläne nicht umgesetzt wurden und die Polizeiführung in Duisburg nun leugnet, dass solche Pläne vorgelegen haben. Zeitweise wurde von Vertuschung gesprochen. Kurzfristig war von flächendeckender Löschung von Einsatzplänen, Dienstbefehlen und weiteren Unterlagen die Rede. Dies ist inzwischen zurückgezogen worden:

Hinweis der Redaktion: In einer ersten Version dieses Artikels hieß es, von Rechnern der Bundespolizei seien Unterlagen zur Love Parade gelöscht worden. Dies ist nach unseren Recherchen auch der Fall – in mindestens einer Dienststelle, aber nicht unbedingt flächendeckend bei der gesamten Bundespolizei. Wir bitten, die Ungenauigkeit zu entschuldigen.

Aber auch damit wird es wie immer sehr einfach gehalten. Was noch fehlt ist die These, die ich inzwischen auf der Kommentarleiste bei mmnews gelesen habe, dass es sich bei dem Versagen der Beamten in Wirklichkeit um gezielten Mord handeln soll. Jeglicher Ansatz ausserhalb des seriösen, investigativen Journalismus eine Erklärung für die gelöschten Daten, oder die eilends durchgewunkene Genehmigung finden zu wollen scheint automatisch in Verschwörungstheorien zu enden. Dabei gibt es einen viel einfacheren Ansatz, der zwar ebenso spekulativ aber bei weitem nicht so unvorstellbar ist. Letztlich geht es nämlich bei Veranstaltungen dieser Art um folgende Punkte:

1. Geld
2. Prestige
3. Renomée

Also wäre es doch relativ einfach folgende Personenkreise einzudämmen.

1. Veranstalter und Investoren
2. Kulturdezernat
3. Die Stadtverwaltung

Es ist an dieser Stelle anzumerken, dass es nicht nur falsch, sondern fahrlässig wäre, diese Personenkreise direkt zu beschuldigen, aber man darf und muss sich fragen, warum man nicht einer logischen Kausalkette folgt. Denn nicht die Raver, also die Endkonsumenten hatten das größte Interesse daran, dass (wie sich inzwischen herausstellt) über viermal so viele Personen auf das Gelände gelassen wurden, wie ursprünglich genehmigt. „Der Raver“, wie er in einschlägigen „Artikeln“ benannt wird, der doch angeblich ohnehin nur zum „saufen, kiffen und kopulieren“ angereist war, kannte weder die örtlichen Begebenheiten, noch war er ausreichend über die Sicherheitslage informiert.

Geleitet wurden die Feiernden von diversen Sicherheitskräften, Polizei, Securities und Rettungskräften, die für die Sicherheit der Personen und der Veranstaltung zuständig waren. Diese hatten teilweise, wie bereits festgehalten, auf die Sicherheitsmängel hingewiesen. Natürlich gibt es Augenzeugenberichte, die über Fehltritte der Sicherheitskräfte berichtet haben, aber hierbei sollte wie in den meisten Fällen von Einzelfällen ausgegangen werden. Die Sicherheitskräfte werden von den zuständigen Behörden gestellt. Diese müssen wiederum den Bedarf auf Basis der vom Veranstalter genannten Nutzungsbedingungen errechnen und planen.

Und der Veranstalter stellt schlicht eine Rechnung auf. X Personen x Y Kosten (für Eintritt, Getränke, Souvenirs, Übernachtungen, etc.) ergeben den Gewinn Z. Da Y pro Person eine relativ fixe Größe sind (ausgehend von Faktoren wie dem Bruttohaushaltseinkommen, der altersbedingten Einkommensverteilung u.ä.) wird Z durch die Anhebung von X erreicht.

Vereinfacht ausgedrückt: Mehr Leute bedeutet mehr Geld. Wer nun letztlich verpennt hat, dass der Zugang zu dem finalen Partygelände ausgerechnet direkt hinter einem 30 Meter breiten Tunnel lag und sich somit das viel zitierte Nadelöhr bilden konnte ist schwerlich zu beweisen. Besonders traurig finde ich persönlich in diesem Zusammenhang, dass sogar Wissenschaftler wie Michael Schreckenberg, Professor für Physik von Transport und Verkehr diese Fehlplanung verteidigen. Seine Argumentation: „…kurz vor dem Unglück (haben) einzelne Jugendliche ein Gitter überrannt und eine ungesicherte Treppe gestürmt. Damit hätten die Organisatoren nicht rechnen können.“ Aha… Und diese Jugendlichen sind warum über die Gitter gestiegen? Weil im Tunnel alles dicht war und es keine anderen Auswege gab. Wohin hätten diese Leute denn fliehen können? Wer sich mit dem Prinzip der Massenpanik-Modelle, oder von Fußgänger-Modellen beschäftigt weiß, dass NIEMALS exakt berechnet werden kann, wie sich eine Menschenmasse verhält und deswegen sollten und werden normalerweise solche Nadelöhre umgangen.

Es bleibt das Gefühl, dass ein Haufen Experten nicht in der Lage war, sich ernsthaft mit den voraussehbaren Problemen zu beschäftigen. Die Erfahrungswerte der vergangenen Paraden wurden sträflich vernachlässigt, berechtigte Bedenken ignoriert. Zurück bleiben 19 Tote, 342 teilweise Schwerverletzte, verwirrte Ex-Moderatorinen und Beteiligte, die nicht nur Erklärungen schuldig bleiben, sondern vielmehr den Eindruck vermitteln, dass die von Wulff geforderte lückenlose Aufklärung gezielt erschwert wird um die Verantwortlichen aus der Schussbahn zu bekommen.

Man möge mir verzeihen, dass ich mit beschränkten Mitteln und ohne Kenntnisse aus erster Hand versuche eine Frage auf den Weg zu bringen, deren Antwort ich genauso wenig liefern kann wie derzeit die seriösen Medien oder die offiziellen Untersuchungsbeamten. Die Zeit wird den Hinterbliebenen hoffentlich wenigstens Gewissheit bringen, denn nichts kann die Opfer wieder zurückbringen und zumindest da sind sich alle einig!

In diesem Sinne möchte ich, wenn auch unbeholfen, diesen Menschen mein vollstes Beileid aussprechen und hoffe nicht dazu beigetragen zu haben, dass der Schmerz noch größer wird.

LeBambi

P.S. via http://www.derwesten.de taucht nun ein angeblich belastendes Dokument auf. Dies könnt ihr über diesen Link auf der ursprünglichen Seite lesen.
Totalerscheiss übernimmt keinerlei Garantie für die Echtheit des Dokuments.

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4 Kommentare

Eingeordnet unter Allgemeines, Gesellschaft, Journalismus, medien, Politik, Wissenschaft

4 Antworten zu “Wer ohne Schuld ist…

  1. Fab

    Naja, wenn man sich das gelände anschaut, muss man nicht sonderlich viel ahnung von veranstaltungen zu haben um zu sehen das das keine gute idee war. wieviel drogen hat mr. mc fit genommen? der hat freigegeben, dass 1,4 millionen leute durch einen tunnel laufen?

    die internet nutzer haben darüber ja vorher schon die hände über den köpfen zusammen geschlagen. nur mal wieder ignorieren die großkopferten die normal bürger.

    ganz klar zu viel auf risiko gesetzt um maximalen gewinn zu machen und dann auch keine kompetenten leute vor ort die die massen koordinieren können.

    dann war die katastrophe perfekt 😦

  2. Gelungener Artikel, lebambi.
    überraschend wie viele erkorener Experten auf ein Mal den Tunnel füllen. Mittlerweile wurde ich dermaßen angestachelt (ohne Schuldige zu nennen, da dies mitunter schwer sein kann), und ich durchforste ab und an einige Foren und lese die hirnverbranntesten statements, ever.
    Ne Menge Fakten sprechen für sich und müssen aufgeklärt werden.
    Fakt 1; es starben unschuldige Menschen, da sie auf der Herman´schen deadlist standen,
    2. es gibt Schuldige, aber womöglich keinen Hauptverantwortlichen, welchen man lynchen will aber nicht kann
    3. was zur Hölle sind individuelle Schwachstellen?
    4. das Aufdecken neuer Fehlverhalten und Schwachstellensuche erweckt den Eindruck eines gigantischen Schwarzen Peter-Spiels.
    Ich habe eine weitere Karte aus einem anderen Spiel, die man unbekümmert in die jetzige Charade einwerfen sollte. „GEHE ins Gefängnis, Begieb dich direkt dorthin“

  3. ach, so gefällst du mir schon viel besser …

    das Gelände mag wohl stylisch gewesen sein, aber für ne Millionen VA ein Gelände für 300k zu bringen ist knapp

    http://www.wissenslogs.de/wblogs/blog/fischblog/verhaltensforschung/2010-07-25/loveparade-ungl-ck-in-duisburg-war-der-eingang-gro-genug

    hat auch was tolles dazu geschrieben …

  4. derSpack

    Hi,

    2 Anmerkunden erstmal:
    1. Der Veranstalter heisst Lopavent GmbH
    2. Der Tunnel ist 17, nicht 30 Meter breit. Der Tunnel ist 300 Meter auf der Ostseite und 100 Meter auf der Westseite lang.

    So und nu das normale:
    Ich kann nur soviel sagen, dass selbst alle Duisburger die ich kannte (und ich kenne als solcher viele ;)) inklusive mir keine Ahnung hatten, wie das ganze ablaufen sollten. Am Neudorfer Markt (Ostseite) stand einer dieser „Floats“. Ich besuchte ein Kollege und wir dachten dass dieser dort aufbauen würde und um den Veranstaltungsbereich (Sprich nicht nur auf dem Platz sondern in der ganzen Innenstadt) sich bewegen würde. Jedoch war dieser Wagen nur einer der Auffangbühnen. Der Wagen stand erst direkt an der Strasse, wurde jedoch später weiter nach hinten versetzt, sodass man zwar die Musik hören konnte, den Wagen aber direkt nicht erkennen konnte und schon garnicht als Bühne verstehen konnte.

    Später wollten wir zu einem Kollegen gehen, der DJ ist, da dieser meinte, er wollte draussen Party machen. Leider war die Strasse, wo er wohnt, mit den Nidrigen Absperrgittern dicht gemacht. Die Securitys (Polizei war nur als Wagenkolonne sichtbar) liessen uns nach einiger Diskussion zu ihm durch. Da in dieser Strasse keine Party war, sind wir später zu einen anderen Kollegen gegangen, der Unweit davon wegwohn. Telefonisch versicherte er uns, das ein durchkommen – trotz Absperrung – möglich sei. Als wir schliesslich an seiner Strasse ankamen, mussten wir nicht nur uns mit einem Polizisten streiten, sondern auch noch seinen vorgesetzten Anfordern, der uns schliesslich durchliess.

    Wo genau der eingang zur LP war, haben wir erst später festgestellt: Keine 3 Minuten Fussweg entfernt von den Orten, wo wir waren.
    Schilder waren nirgend zu erkennen, alle Leute die Arbeiteten waren Ortsunkundig und total mit solchen Fragen überfordert.

    Organisation ist etwas anderes. Statt jedem, der dort Arbeitet, einen Zettel in die Hand zu reichen, wo eine Karte mit Stadtteilsbeschreibung und Namensstrassen in der Umgebund sowie die Wege zur Loveparade abgebildet ist, hat man diese scheinbar voll auf sich alleine gestellt.

    Davon ab hat sich Frau Herman wieder ein Vauxpas geleistet der seinesgleichen sucht.
    Beim lesen des Artikels kam mir nur ein Gedanke: „Die Frau scheint mal endlich eine richtig gute Party und ein richtig guten F***k gebrauchen, sonst würde Sie es den anderen Menschen auch gönnen“
    Tja wer 5x in seinen Leben dies ewige Liebe versprochen hat, scheint dabei einen Knax zu bekommen.

    Liebe Frau Herman, wenn Sie dies lesen: Ich habe eine Telefonnummer von einen sehr guten Psychologen, der kann ihnen weiterhelfen!

    Grüße
    derSpack

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