Schadenfreude ist die schönste Freude…

*grammatikalisch falsch!

*grammatikalisch falsch!

Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht und wenn er ach die Wahrheit spricht. Das sprichwort ist uralt und trotzdem so aktuell wie immer. Prominentestes Beispiel, der Baron von Guttenberg. Aber ist die Diskussion um den Lügenbaron richtig geführt? Ist Schadenfreude das adäquate Mittel des demokratischen Ausdrucks eines Landes?

Hallo zusammen,

um das gleich auszuräumen, ich gehöre nicht zu den 320.000 facebook-Usern, die sich den designierten Verteidigungsminister zurückwünschen und mein Mitleid für den gelackten Herrn Baron hält sich auch schwer in Grenzen, aber in dieser ganzen Guttenberg-Hysterie ist scheinbar zu wenig Platz für ehrliche Diskussionen. Man ist eben für oder gegen den Herrn von und zu.

Karl Theodor zu Guttenberg hat eine interessante Laufbahn hinter sich und wurde selbst von Nich-CSU-Wählern während der Wirtschaftskrise u.a. dafür (sagen wir mal) „gemocht“, weil er unbequeme Wahrheiten aussprach, was sonst selten vorkommt in der Bundespolitik. Die Opel-Krise wurde ernsthaft als unrentabel abgekanzelt und auch wenn ausser ein paar Ultra-Liberalen wohl kaum jemand den Opelianern die Arbeitslosigkeit gewünscht hat, so hat sich doch zumindest zuerst KT getraut zu sagen, dass eine geregelte Insolvenz wohl der sinnvollste Weg wäre.

Mit dieser unbequemen Wahrheit ist er angeeckt, aber zumindest ich dachte mir „Egal ob ich ihn mag, oder eben nicht, zumindest hat er sich getraut die Wahrheit zu sagen!“. Das war etwas erfrischendes in Zeiten wo sich die Parteien nur gegenseitig schwarze Peter zuschieben, anstatt gemeinsam nach Konsensen und Lösungen zu suchen. Leider ist es mit der Wahrheit eben wie mit der in der Einleitung erwähnten Lüge, das funktioniert eben nur unbedingt. Wenn man also unbequeme Wahrheiten bei anderen aufdeckt, aber sich selbst nicht reflektiert ist das nicht nur unausgewogen, es ist schlicht falsch.

Das Bild kenn ich doch, das ist kopiert...

Das Bild kenn ich doch, das ist kopiert...

Die Chance war da. Frei nach dem Spruch „Wo kein Richter, da kein Henker!“ ist es nachvollziehbar, dass KT den Titel behalten hatte (auch wenn er ihn nicht offiziell führte und das muss zumindest erwähnt werden) so lange ihm keiner auf die Schliche gekommen war. Nahezu jeder von uns war schon einmal froh in einer Klassenarbeit, oder Schlimmerem nicht beim schummeln erwischt worden zu sein. Ich habe z.B. meine Abschlussarbeit auch nur mit Hilfe und in weniger als 3 Tagen verfasst (und ein gewisser Panda hat es zwar alleine aber in ähnlich kurzer Zeit zum Diplom gebracht) und bin froh, dass das keine Sau interessiert. ABER: In dem Augenblick wo man unwiderruflich auffliegt sollte man zumindest den Anstand haben, sich für die eigene Verfehlung verantwortlich zu zeigen. DAS ist nicht geschehen, in einer arroganten Art, wie man sie zwar für möglich gehalten, aber nicht erwartet hätte, wurde dreist behauptet, er habe diese Arbeit selbst geschrieben und wenn überhaupt vergessen Fußnoten zu setzen.

Aus wissenschaftlicher Sicht ein Schlag ins Gesicht aller Akademiker, falsch und nicht zu entschuldigen. Aus menschlicher Sicht verständlich, falsch und zwingend zu erklären.

Was mich aber fast noch mehr stört als die Verfehlung und die verantwortliche Person sind die ANDEREN. Die sich ins Fäustchen-Lacher in allen Oppositionsparteien, den eigenen Reihen und den Medien. Auch hier bitte ich das nicht falsch zu verstehen. WIR, die einfachen Bürger dürfen getrost etwas Schadenfreude hegen, denn endlich hat es mal einen der Mächtigen geputzt. Dieses Mal wurde nicht der Kleine Mann zum Bauernopfer für eine falsch geführte Debatte, dieses Mal traf es jemanden da oben. Aber einen Jürgen Trittin, Sigmar Gabriel, Gregor Gysi oder eine Claudia Roth vor Schadenfreude schier platzen zu sehen, dass hat mir die Galle hochgetrieben. Diese Bigotterie, diese charakterlichen Schwächen haben die hässliche Fratze der Bundespolitik auf’s neue enttarnt. Es ging nicht darum einen Missstand auszuräumen, es ging darum einen politischen Gegner zu kreuzigen.

Kaum ein Politiker hat nach dieser Affäre mehr Spitznamen als zu Guttenberg. Ich selbst habe ihn den Lügenbaron genannt. Aus dem Medienminister wurde „der Plagiator“, 2 Tage nach dem Bekanntwerden gab es einen ersten Witz zu dem Thema. Alles schön und gut, aber die Damen und Herren Politiker sollten aufhören sich an Personalien aufzugeilen und anfangen ihren Job richtig zu machen.

  • Trittin hat seiner Landesgruppe nicht den Hahn abgedreht, als die GAL in Hamburg einem Kohlekraftwerk zugestimmt hatte. Kohle bei den Grünen? Als nächstes Atomstrom „Ja bitte!“?
  • Gabriel hat Transal-Flüge (Flugbereitschaft der Bundeswehr für wichtige Dienstreisen) für zumindest teilweise private Zwecke missbraucht. Und das als „grüner“ Roter.
  • Gysi will immer noch nicht, dass seine STASI-Akten gefunden werden.
  • Und Claudia Roth hat rotzbesoffen in einem Fernsehinterview gelallt, die Türkei wäre viel besser als Deutschland (Nur kurz am Rande, in der Türkei wird noch gefoltert, Kurden bekommen teilweise keine Dolmetscher für Prozesse, Ehrenmorde sind auf dem Land nicht unüblich, etc.).
und überhaupt, wer ist der Autor? Belege?

und überhaupt, wer ist der Autor? Belege?

Es ist mir egal, wenn mein Zeitungshändler dafür plädiert, KT zu teeren und federn und ihn aus dem Land zu jagen, aber es ist mir nicht egal, wenn „Staatsmänner- und Frauen“ sich wie im Kindergarten verhalten, mit dem Finger auf Kollegen zeigen, petzen und dabei aussehen, als hätte man ihnen gerade auf der Bundestagstoilette einen geblasen. Halten wir abschliessend fest, der designierte Verteidigungsminister hat betrogen, gelogen, vertuscht, hingehalten und konsequenter Weise seinen Hut genommen. Aber man soll nicht auf Leute eintreten, die am Boden sind.

Ich will den Kerl nicht zurück, der kann jetzt gerne seinen Doktortitel nachholen und wird ohnehin irgendwie wieder auftauchen. Aber ich finde auch, dass mancher sich wirklich schämen sollte, wie man als Lenker dieses Staates im Fernsehen auftritt. Leute, macht euren Scheiß-Job, sorgt dafür, dass Hartz IV als Lebensgrundlage ausreicht, sorgt für eine gerechte Bezahlung in der Mindestlohndebatte, findet eine Lösung für die Tarifverträge von Schaffnern, sorgt dafür, dass die Banken ihre Schulden bezahlen, holt die deutschen Soldaten aus Afghanistan raus und nehmt verdammt noch mal die Hand aus der Hose. Ihr habt jetzt lange genug von eurem Versagen ablenken dürfen, ab sofort heisst es „Zurück an die Arbeit, es gibt hier nichts mehr zu sehen!“

In diesem Sinne, man fasse sich bitte an die eigene Nase.

Le Bambi

P.S. Die Abschiedsrede von KT ist (auch wenn es eine tolle Geschichte wäre) nicht aus Star Trek II, auch wenn sie dann nicht so theatralisch geklungen hätte. Und auch wenn die TAZ etwas anderes aufgeschnappt und das Hamburger Abendblatt das gerne zitiert, Khan war auch kein Klingone!

Ich glaub eh der Spruch ist geklaut...

Ich glaub eh der Spruch ist geklaut...

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Ein Kommentar

Eingeordnet unter Allgemeines

Eine Antwort zu “Schadenfreude ist die schönste Freude…

  1. Kelda

    Die Selbstinszenierung von KTzG ist es doch, was ihn so dubios macht. Er feiert sich selbst als Vorzeigepolitiker, der die „Quadratur des Kreises“ (Arbeit und Familie, wow!) vollbringt, immer den richtigen Look zur Agenda vorführt und abbilden lässt und auch rückwirkend den Lebenslauf und Titel frisiert (sic!).

    Wer dazu noch die Dreistigkeit hat, erst den Tod einer Kadettin über Wochen aus den Medien zu halten und dann bei kleinem Gegenwind drei Tote Soldaten den Journalisten als Moralkeule vorhält um von den eigenen Verfehlungen abzulenken, hat einiges mehr verdient als Schadenfreude.
    Aber auch wenn Skepsis sicherlich angebracht ist, glaube ich nicht uneingeschränkt an die Formel Macht=Verkommenheit und Haltungsdiversität = Feindschaft. Insofern sehe ich auch weniger Schadenfreude, als endlich gelöste aufrichtige Empörung.
    Und nach meiner medial gefilterten Wahrnehmung, der Diskrepanz von meinem Empfinden und den Statistiken der Springer-Presse und dem persönlichen Moralgeflecht, das die durch das Amt ermöglichten Verfehlungen und den Unwillen, nach zu anderer Zeit in anderem Kontext durchgeführte Entscheidungen beurteilt zu werden, weniger streng verurteilt, als die planmäßige, systematische und nur auf Macht abzielende Täuschung über mehrere Jahre, finde ich, dass KTzG noch weit zu gut davon gekommen ist, wenn seine Show doch immer noch so eine Wirkung hat, dass er durch sie sogar vor sonst kritischen und klaren Zeitgenossen als Opfer da steht.

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